von Thomas Spang<BR /><BR />Es war eine der dramatischsten Szenen, die das Oval Office je erlebt hat. Was als höflicher Fototermin begann, artete in einen beispiellosen Schlagabtausch aus, der die tektonische Verschiebung in den amerikanisch-ukrainischen Beziehungen offenlegte. „Sie sind in keiner Position, uns vorzuschreiben, was wir fühlen sollen“, donnerte Trump seinem Gast entgegen, als dieser den US-Präsidenten warnte, Wladimir Putin nicht zu unterschätzen. „Sie haben im Moment nicht die besten Karten.“<h3> „Respektlos“</h3>Die Temperatur im Raum stieg weiter, als Vizepräsident J.D. Vance nachlegte. „Haben Sie sich auch nur ein einziges Mal bedankt?“, fuhr er Selenskyj an und warf ihm vor, es sei „respektlos, ins Oval Office zu kommen und vor amerikanischen Medien zu prozessieren.“ <BR /><BR />Trump, der Putin erst diese Woche als „sehr klugen Mann“ und „gerissene Person“ gelobt hatte, setzte nach. “Sie spielen mit dem Dritten Weltkrieg„, warnte er den ukrainischen Präsidenten. Beobachter in Washington können sich an keine vergleichbare Situation erinnern, in der ein amerikanischer Präsident einen verbündeten Staatschef derart harsch zurechtwies.<BR /><BR />Der Kontrast zu Trumps Amtsvorgänger Joe Biden könnte kaum größer sein. Während Biden die Ukraine als Bollwerk der Demokratie gegen russische Aggression betrachtete, sieht Trump in dem Konflikt vorwiegend eine finanzielle Belastung für die USA. „Hoffentlich müssen wir nicht mehr viel militärische Hilfe schicken, denn ich möchte das schnell erledigt sehen“, erklärte der Präsident.<h3> Streit vor laufender Kamera</h3>Trump drohte Selenskyj damit, die USA seinen „raus“, wenn es nicht zu dem vorab verhandelten Mineralien-Abkommen komme. In der Ukraine werden bedeutende Lagerstätten an Lithium, Grafit, Titan und Uran sowie die für die amerikanische Technologie-Industrie so wichtigen seltenen Erden vermutet. Die Unterhändler beider Seiten hatten bis zur letzten Minute über ein Abkommen verhandelt, das den Zugriff auf die Mineralien regeln soll. Knackpunkt blieb bis zum Schluss die Frage, welche Sicherheitsgarantien die Amerikaner im Gegenzug dafür leisten.<BR /><BR /><BR />US-Präsident Trump hatte sowohl bei seinen Gesprächen mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron am Montag, als auch mit dem britischen Premierminister Keir Starmer am Donnerstag keine Absicherung europäischer Friedenstruppen für die Ukraine durch die USA zugesagt.<BR /><BR /><Zwischentitel>Trump vertraut Putin</Zwischentitel><BR />„Ich kenne Putin seit Langem und vertraue seinem Wort“, erklärte Trump bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Starmer. Die Anwesenheit amerikanischer Unternehmen in der Ukraine stelle bereits eine Form der Sicherheit dar. „Wenn wir dort investieren, wird niemand es wagen, diese Gebiete anzugreifen“, versicherte der US-Präsident.<BR /><BR />Dazu wird es nun wohl bis auf Weiteres nicht kommen. Die Ukraine und ihre Unterstützer in Europa stehen jetzt vor einem diplomatischen Scherbenhaufen. Am Sonntag werden Selenskyj, Starmer und Macron Gelegenheit haben, in London die neue Lage mit den anderen Regierungschefs aus Europa sowie dem NATO-Generalsekretär zu beraten. Starmer hat dafür zu einem Gipfel eingeladen. Mit von der Partie wird auch Noch-Bundeskanzler Olaf Scholz sein.