Montag, 09. Mai 2016

Drei Mal CasaPound: Neo-Faschisten entern das Bozner Rathaus

Sie bekennen sich offen zum Faschismus – und sitzen nun im Bozner Gemeinderat. Zu dritt werden die Vertreter von CasaPound Italia ins Rathaus einziehen. Verglichen mit Mai 2015 haben sie ihre Stimmen verdreifacht.

Foto: © STOL

Schon vor einem Jahr zog CasaPound Italia in den Bozner Gemeinderat ein. 933 Stimmen entfielen damals auf die Partei. Dies entsprach 2,4 Prozent aller Stimmen.

Damit sicherte sich ein Vertreter der neofaschistischen Gruppierung einen Sessel im Bozner Rathaus. Es war Andrea Bonazza.

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p>Andrea Bonazza im Gericht: Der 34-Jährige musste sich 2016 in einem Verfahren wegen Rufschädigung an Ex-Bürgermeister Spagnolli verantworten. Das Gericht sprach ihn frei. - Foto: DLife

 

Dieser sagte kurz nach seiner Wahl in einem Radio-Interview: „Ich bin Faschist, warum nicht? Es ist nichts Schlimmes dabei. Mit Mussolini würde in Italien alles besser funktionieren.“ Zudem leugnete er, dass zur Zeit des Faschismus Oppositionelle umgebracht worden waren und betonte, Hitler habe viel Positives für Deutschland gebracht – zum Beispiel Volkswagen (mehr zur Vergangenheit von Andrea Bonazza lesen Sie hier).

Stimmen verdreifacht

Nicht mehr ein Politiker dieser Couleur, sondern ganze 3 werden nun im Rathaus der Landeshauptstadt Platz nehmen. Neben dem bereits bekannten Bonazza sind dies Maurizio Puglisi Ghizzi, der als Bürgermeisterkandidat angetreten war, und Sandro „Sandrone“ Trigolo.

Wollte Bürgermeister von Bozen werden: Maurizio Puglisi Ghizzi erreichte dieses Ziel nicht. Im Gemeinderat nimmt er aber Platz. - Foto: DLife

 

2646 Wähler machten am Sonntag bei Puglisi Ghizzi ihr Kreuzchen, 861 wählten Bonazza, weitere 659 stimmten für Trigolo. Insgesamt kam CasaPound bei der Wahl auf 2847 Stimmen – drei Mal mehr als noch vor einem Jahr. Damit zählt CasaPound, neben der Bewegung 5 Stelle, zu den Wahlgewinnern in Bozen.

Besorgnis bei der SVP

Erschüttert darüber ist Landeshauptmann Arno Kompatscher. „Dass eine Gruppierung, die sich offen zum Faschismus bekennt, in der Landeshauptstadt so viele Stimmen bekommen hat und ihre Sitze von einem auf drei ausbauen konnte, sollte als Auftrag an die Gesellschaft sowie an die Parteien, die sich im Rahmen der Verfassung bewegen, verstanden werden, solche Tendenzen durch Aufklärung sowie überzeugende politische Arbeit zu bekämpfen", betonte er in einer Aussendung.

SVP-Obmann Philipp Achammer nannte die Entwicklung im Gespräch mit STOL besorgniserregend. „Solche Entwicklungen müssen uns alle, müssen jede demokratische Gesellschaft besorgen. Es kommt zunehmend zu einer Zuspitzung von Positionen, die für mich außerhalb des demokratischen Spektrums liegen.

Alle Ergebnisse der Gemeinderatswahlen in Bozen finden Sie hier. 

stol

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