<b>von Stephan Kaußen</b><BR /><BR />Dieses Zeichen hatte der jüdische Staat schon Tage zuvor gesandt. Mit der Exekution eines hohen Hamas-Führers. Und das nicht irgendwie irgendwo, sondern mit einem ebenfalls großen Knall in Teheran. Bei einer Art Staatsbesuch. Und das direkt im Herzen des Erzfeindes Iran. Dieser schwor natürlich sofort Rache, ebenso wie die Hisbollah im Libanon vor Tagen, wo es ja ebenfalls eine prominente Tötungsaktion der Israelis gegeben hatte.<BR /><BR />Wer reagiert jetzt wie? Wer hält was zur angeblichen Gesichtswahrung für nötig? Die ganze westliche Welt drängt alle Beteiligten in Nahost jedenfalls zur Deeskalation. Aber reicht der Einfluss?<BR /><BR />Vielleicht ist die Lage schon eine noch viel heiklere, wenn diese Zeilen gedruckt werden. Wer weiß das schon? Und wer weiß, wann der jüngste gesellschaftliche Knall in Großbritannien verhallt? Wo Rechtsradikale im Mutterland der Demokratie gegen Migration und Polizei seit Tagen gewalttätig auf die Straße gehen. Kriegt man diesen Geist wieder in die Flasche? Vor dem ganz großen Knall?<h3> In den USA ist eine weitere Katze aus dem Sack</h3>In den USA ist derweil eine weitere Katze aus dem Sack. Relativ geräuschlos ausnahmsweise. Bzw. sogar zwei: Kamala Harris ist nun auch offiziell als Präsidentschaftskandidatin gegen Donald Trump im Rennen. Gut so. Das könnte tatsächlich klappen mit der Deeskalation. Und irgendwie gut scheint auch die Entscheidung für ihren potenziellen Vize: Tim Walz, volksnaher Typ aus dem Mittleren Westen. Ein Demokrat aus dem Herzen Amerikas. Lange beim Militär, Exlehrer und - Football-Coach. Das macht ihn für viele nahbar - und wählbar. Prinzip einer von uns. Trotz 12 Jahren im Kongress in Washington und 5 als Gouverneur von Minnesota.<BR /><BR />Die Hoffnung auf Mäßigung statt des großen Knalls? Es gibt da vielleicht tatsächlich einen Mann aus der Mitte dieser zerrissenen Gesellschaft. Einen mit Geradlinigkeit und trotzdem diversen Erfahrungen aus ziemlich unterschiedlichen Lebensbereichen. Er ist, so banal es klingen mag, zuerst einmal ein Mann. Ein für Politiker mittelalter, dazu ein Weißer. Und damit wohl einer, der gerade die weiße Landbevölkerung - zusätzlich zur recht bunten Klientel von Harris - gewinnen und damit ein bewusstes, seriöses Gegengewicht zu Trump und Co sein soll.<BR /><BR />Diese Entscheidung ist offensichtlich das Gegenteil eines lauten Knalls. Gut so. Zwischenfazit: Die Hoffnung lebt wieder. Auf eine gemäßigte Zukunft der USA. Und damit ja auch des wichtigsten globalen Players überhaupt, also auch bei uns in Europa und Nahost. Deshalb ist die Wahl dort Anfang November so wichtig - für uns alle.<BR /><BR />Ich hoffe, dass es nun immer weniger laut knallt. Nicht nur in den USA. Vielleicht ja auch in Israel, Gaza, dem Iran und Libanon. Ebenso auf den Straßen Großbritanniens. Und zwischen Russland und der Ukraine sowieso, wo seit dieser Woche ja auch die westlichen F-16-Kampfjets zum Arsenal zählen...<BR /><BR />Was vielleicht alles ein wenig naiv ist, uns aber ein paar leise oder auch laute Stoßgebete wert sein sollte. Deeskalation ist jedenfalls mir so viel lieber als der nächste große Knall. Auf dass der von Dienstagnachmittag in Beirut nur eine Überschall-Drohung und nicht die volle Dröhnung ist - und bleiben möge...