Es muss ein Davor und ein Danach geben. Der Tod von Andrea Papi – ein Vorfall, der alles ändert im Umgang mit Bär und Wolf: Das dachte ich mir an dem Mittwoch vor Ostern, als die Meldung über den tödlichen Angriff in Caldes bekannt geworden ist. Nun, 3 Wochen später, zeigt sich: Geändert hat sich nicht viel. Die Diskussion ist sehr schnell zu alten Mustern zurückgekehrt.<BR /><BR />Ein junger Mann ist tot. Getötet von einem Bären, der schon Jahre vorher 2 Männer schwer verletzt hat und eigentlich schon zum Abschuss freigegeben war. Andrea Papi hätte nicht sterben müssen. Er hätte nicht sterben dürfen. Andrea Papi ist nicht von einem Stein am Kopf getroffen worden oder vom Blitz erschlagen, er ist nicht Opfer von Naturgewalten geworden, mit denen wir in den Bergen rechnen müssen.<BR /><BR /> Die alte Bärin JJ4 hat ihn angefallen – eine Bärin, deren Eltern Menschen ins Trentino gebracht haben; eine Bärin, die schon vorher als aggressiv gegolten hat; eine Bärin, deren Abschussbefehl ein Gericht wegen Rekursen von Tierschützern aufgehoben hat. Auch hatte JJ4 kein funktionierendes Sendehalsband: Man wusste also nicht einmal, wo sie und ihre Jungen waren. Bis sie Andrea Papi tötete.<BR /><BR /><embed id="dtext86-59258106_quote" /><BR /><BR />Besonders erschüttert es, nun zu lesen und zu hören, der Vorfall sei zwar bedauerlich, aber Andrea Papi habe sich ins Territorium des Bären begeben und wohl falsch auf die Attacke reagiert. Das Tier habe sich verhalten, wie ein Bär sich eben verhalte. Schließlich habe er seine Jungen dabei gehabt. Da komme es eben zu Unfällen. <BR /><BR />Weit weg von der Gefahr sagt sich das leicht. Sicher – der Artenschutz hat auch in Europa seine Berechtigung: Wenn wir von Indern erwarten, mit Tigern zu leben, und von Afrikanern, mit Löwen, dann ist klar, dass auch wir einen Beitrag zum Erhalt bedrohter Tiere leisten müssen. <BR /><BR />Aber: Wollen wir als Gesellschaft den Braunbären in den Alpen halten – so, wie es in den vergangenen 10 Jahren praktiziert worden ist, geht es jedenfalls nicht: Wenn nichts und niemand die Menschen, die hier leben, vor gefährlichen Tieren schützen kann, wenn selbst nach einem tödlichen Angriff noch jedes noch so problematische Individuum zwanghaft verteidigt wird, dann ist das Projekt Braunbär wohl am Ende. Der Bär kann hier nur so lange leben, wie die Menschen, die es auch tun, dies akzeptieren. <BR /><BR />In dieser Hinsicht war die tödliche Attacke von Caldes vielleicht doch ein Scheidepunkt: Ab jetzt gibt es keine Ausreden mehr. Die verantwortlichen Politiker sind angezählt. Wenn sie jetzt nicht liefern – ihre Wähler werden es nicht vergessen. Und das gilt nicht nur für das Trentino.<BR /><BR /> <a href="mailto:katrin.niedermair@athesia.it" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">katrin.niedermair@athesia.it</a>