Montag, 28. Dezember 2015

"Ein Kriegsverbrecher Ehrenbürger von Brixen"

Der Kriegsverbrecher Gennaro Sora sei immer noch Ehrenbürger von Brixen. Darauf macht Hartmuth Staffler, Bezirkssprecher der Süd-Tiroler Freiheit, aufmerksam. Es sei höchst an der Zeit, die von einem faschistischen Podestà verfügte Ernennung, die eine Beleidigung für alle anderen, verdienten Ehrenbürger darstellt, rückgängig zu machen.

Die Zeitschrift "Der Südtiroler" berichtete am 1. November 1928 von der Ernennung von Gennaro Sora zum Brixner Ehrenbürger.
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Die Zeitschrift "Der Südtiroler" berichtete am 1. November 1928 von der Ernennung von Gennaro Sora zum Brixner Ehrenbürger.

Der Alpinioffizier Gennaro Sora, ein Freund des Kriegstreibers Cesare Battisti, hatte am Ersten Weltkrieg teilgenommen und war danach auch in Brixen stationiert, erinnert Staffler. Sora habe 1928 mit einer Gruppe Alpini an der Nordpol-Expedition von Umberto Nobile teilgenommen. Als Nobile mit dem Luftschiff Italia abstürzte, habe Sora auf eigene Faust vom Expeditionsschiff „Milano“ aus eine Rettungsaktion gestartet, die aber kläglich gescheitert sei, so dass Sora selbst von einem schwedischen Flugzeug habe gerettet werden müssen.

Trotzdem habe Mussolini Gennaro Sora zum „eroe del polo“ (Held des Poles) ernannt. Sora wurde in ganz Italien gefeiert; in Brixen verlieh ihm der faschistische Podestà Felice Rizzini die Ehrenbürgerschaft der Stadt, berichtet Staffler.

Im italienischen Vernichtungskrieg gegen Äthiopien habe Major Sora mit seinen Alpini eine verheerende Rolle gespielt. So war er unter anderem der Verantwortliche des Massakers von Gaia Zeret im Jahr 1939, bei dem etwa 1500 Menschen ermordet wurden.

Dieses Kriegsverbrechen war lange Zeit kaum bekannt. Erst im Jahr 2008 hat ein italienischer Historiker, Matteo Dominioni, im Buch „Lo sfascio dell'Impero - Gli italiani in Etiopia 1936-1941“ die Ereignisse geschildert. 
"Damit gibt es jetzt für die Gemeinde Brixen keinen Grund mehr, an der Ehrenbürgerschaft für den Kriegsverbrecher Sora festzuhalten, die eine Beleidigung für die anderen 63 Brixner Ehrenbürger darstellt", schreibt Hartmuth Staffler, Bezirkssprecher der Süd-Tiroler Freiheit.

stol

 

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