Landesrat Philipp Achammer stellt klar: „Es gibt einen letzten Versuch für ein gemeinsames Vorgehen, sonst gehen wir getrennt.“<BR /><BR />Dass es fünf vor zwölf ist, zeigen nicht zuletzt die eingebrochenen Studierendenzahlen (wir haben berichtet). Entsprechend sagt Landesrat Achammer: „Wir müssen der Ausbildung eine neue Attraktivität geben.“ Aber auch die Erfahrungen aus der Praxis (siehe Interview unten) sprechen eine klare Sprache. Diesen Rückmeldungen müsse man gerecht werden, indem man sich in der Ausbildung mehr auf die Didaktik, also auf die „Kunst“ und die „Wissenschaft“ des Lernens und Lehrens, fokussiere, findet der Landesrat. <h3> Reform wäre Gelegenheit, um Praxisbezug zu integrieren</h3> Und noch ein weiterer Punkt spricht für eine wesentlich praxisorientierte Ausbildung: „Wir sollten der Tatsache Rechnung tragen, dass schon zahlreiche Studierende Teilzeitaufträge an unseren Schulen übernehmen“, sagt Achammer. Eine Reform der Südtiroler Lehrerausbildung (für Grundschule und Kindergarten) wäre die richtige Gelegenheit, diesen de-facto-Praxisbezug auch in den Studiengang zu integrieren. <BR /><BR />Südtirol ist auch hier nicht komplett autonom, es gibt ein staatliches Raster, Eckpunkte sind in der universitären Ausbildung einzuhalten. „Wir haben aber bereits in Rom vorgesprochen“, berichtet Achammer, „und prinzipiell grünes Licht bekommen, den Studiengang neu und praxisbezogener zu gestalten.“ Auch über eine Reduzierung der Pflichtanwesenheit sei in diesem Zusammenhang nachzudenken, findet Achammer. <h3> Italienischsprachige Studierende zufriedener als deutschsprachige</h3>Gefragt wurden dazu im Lauf des heurigen Jahres auch Studierende und Absolventen. Und hier zeigt sich: Italienischsprachige Studierende sind deutlich zufriedener mit der aktuellen Ausrichtung des fünfjährigen Studienganges als deutschsprachige. Letztere sprechen sich in der Befragung klar für mehr Praxisbezug aus. <BR /><BR />Und das spiegelt sich auch in der Reformbereitschaft der Bildungsressorts wider. „Wir sind der Meinung, wenn Reform, dann ordentlich“, betont Achammer. Ob man hier tatsächlich einen gemeinsamen Weg finden wird, sollen die kommenden zwei Wochen zeigen. <h3> „Suchen nach rechtlichen Lösungen für Praktikavergütungen“</h3>Beim Rektor der Freien Universität Bozen, Alex Weissensteiner, rennt Achammer jedenfalls offene Türen ein: „Komplexere Anforderungen in den Klassen brauchen in der Ausbildung mehr und praxisbezogenere Antworten.“ Zwar sei man in Südtirol in Sachen Lehrerausbildung schon praxisorientierter als an anderen Universitäten in Italien, doch da geht noch mehr. <BR /><BR />Er sei prinzipiell ein Verfechter, Studierende frühzeitig in den Kontakt mit der späteren Berufswelt kommen zu lassen. Und wie die Umfrage zeige, käme man damit auch dem Wunsch der Studierenden entgegen. Die könnten sogar noch ein Zuckerl bekommen: Praktikavergütungen wie bei den Ausbildungen im Gesundheitsbereich: „Wir suchen bereits nach rechtlichen Lösungen“, verspricht Achammer. <h3> Vier Fragen an Inge Dejaco, Lehrerin und Dozentin</h3><b>Eine Reform der Südtiroler Lehrerausbildung steht im Raum. Was muss sich aus Ihrer Sicht ändern? <BR /></b><KeinAbsatz></KeinAbsatz>Inge Dejaco: Derzeit kommt in der fünfjährigen universitären Ausbildung an der Fakultät für Bildungswissenschaften die Praxis zu kurz. Es gibt zwar Praktikumsphasen, doch die sind – auch im Vergleich etwa zu Ausbildungen in Deutschland oder Österreich – zu kurz. <BR /><BR /><KeinAbsatz></KeinAbsatz><b>Ihr Vorschlag?<BR /></b><KeinAbsatz></KeinAbsatz>Dejaco: Die Einführung von „Praxisklassen“, die die Studierenden über das gesamte Schuljahr begleiten und wo sie mitarbeiten können. So bekommen sie vom ersten bis zum letzten Schultag einen Einblick, können erfahrenen Lehrkräften über die Schulter schauen, selber erste Erfahrungen machen, die über kurze Praktikumsphasen hinausgehen. Und gleichzeitig ließen sich Theorie, Praxis und Forschung auf diese Art wunderbar miteinander verschränken. <BR /><BR /><KeinAbsatz></KeinAbsatz><b>Was versprechen Sie sich von einem größeren Praxisbezug?<BR /></b><KeinAbsatz></KeinAbsatz>Dejaco: Lehrkräfte, die besser auf die komplexen Situationen in den Klassen vorbereitet sind und die schon frühzeitig während des Studiums wissen, was im Beruf auf sie zukommt. <BR /><BR /><KeinAbsatz></KeinAbsatz><b>Derzeit sind Absolventen also unzureichend vorbereitet?<BR /></b><KeinAbsatz></KeinAbsatz>Dejaco: Die Situationen in den Klassen sind oftmals ganz anders, als sich die Studierenden das vorgestellt haben – das stellt sie vor große Probleme und sorgt für Frust.