Landesrat Achammer hat bereits konkrete Vorstellungen, was sich künftig ändern soll – zum Vorteil für die Schüler. KSL, ASM und Gewerkschaften sehen allerdings ein Problem.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1058235_image" /></div> <BR /><BR />„Ich bin überzeugt: Ein Nachmittagsunterricht in der ersten Klasse Grundschule ist zu viel für ein Kind“, sagt Landesrat <b>Philipp Achammer</b>. Das habe er auch in Gesprächen mit den Lehrern erlebt – für kleinere Kinder sei dies eine enorme Belastung. Ohne Nachmittagsunterricht hätten die Kinder dann auch die notwendige Zeit zum Lernen eines Instruments oder für Sport, meint der Landesrat. <h3> Unterricht soll nicht vor 8 Uhr beginnen</h3>Auch einen Unterrichtsbeginn vor 8 Uhr lehnt der Landesrat grundsätzlich ab ab. „Viele Studien belegen es: Es ist nicht sinnvoll, vor 8 Uhr früh den Unterricht zu beginnen. Das entspricht nicht den Lernrhythmen von Kindern und Jugendlichen“, sagt Achammer. Mancherorts beginne der Mittelschulunterricht deutlich vor 8 Uhr – sogar um 7.25 Uhr. „Kinder von Bergbauernhöfen müssen in solchen Fällen um 6.15 Uhr in die Schule starten“, gibt der Landesrat zu bedenken. <h3> Ein wichtiges Ziel: 5-mal die Woche ein warmes Essen</h3>Ein weiteres Ziel ist es für Achammer, den Schülern 5-mal die Woche ein warmes Mittagessen anzubieten – über die Mensen. „Das wäre ein enormer Mehrwert“, sagt Achammer. Laut dem Rat der Gemeinden bieten 30 bis 35 Gemeinden dies bereits an. Weitere Kommunen sollten im Zuge der Vereinheitlichung der Bildungszeiten folgen. Von heute auf morgen wird das allerdings nicht möglich sein: Dafür ist einiges an Umsetzungszeit notwendig, sagt Achammer. Dass nächstes Jahr alle Gemeinden damit starten werden, werde nicht möglich sein. Es brauche Zeit, um Personal anzustellen und Küchen einzurichten.<h3> Achammer: Bildungszeit von 7.30 Uhr bis 14.30 Uhr</h3>Weiterhin ist noch unklar, wie lange die Bildungszeit dauern soll. „Die Variante von 7.30 Uhr bis 14.30 Uhr gefällt mir am besten“, sagt der Landesrat. Zwischen 7.30 Uhr und 8 Uhr gäbe es dann eine gleitende Eintrittszeit und zwischen 14 Uhr und 14.30 Uhr eine gleitende Austrittszeit. Kinder dürften somit vor Unterrichtsbeginn bereits in die Schule und würden in dieser Zeit auch beaufsichtigt. Die Variante 7.30 Uhr bis 14.30 Uhr würde dann für Kindergarten, Grund- und Mittelschule gelten. Derzeit ist aber alles noch offen. Kindergarten- und Schulzeit ist eine autonome Entscheidung der Schulen und Schulsprengel vor Ort, betont Achammer. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1058238_image" /></div> <BR />Der Katholische Südtiroler Südtiroler Lehrerbund (KSL) würde es begrüßen, wenn die Erstklässler in der Grundschule künftig keinen Nachmittagsunterricht mehr hätten, wie es Landesrat Philipp Achammer vorschlägt (siehe Bericht oben). Wenig Freude hätten sowohl KSL auch ASM hingegen damit, wenn Lehrer bei einer Vereinheitlichung der Bildungszeiten zu noch mehr Aufsicht als bisher eingespannt würden. „Wir müssen unseren Beruf und unser Berufsbild verteidigen, sonst werden wir degradiert für Aufgaben, für die wir überqualifiziert sind“, meint die KSL-Vorsitzende <b>Eva Niederegger</b>. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1058241_image" /></div> <BR /><BR />Und auch Gewerkschafter <b>Hubert Kainz</b> (SGB/CISL) betont: „Man sollte in Zeiten von Lehrermangel nicht wertvolle Unterrichtsstunden mit Aufsicht vergeuden“. Die Aufsicht in der Mensa übernehmen noch immer die Lehrer, obwohl schon vor langem versprochen wurde, dass die Gemeinden sie übernehmen werden, berichtet Niederegger. Aber offenbar gebe es niemanden, der die Aufsicht übernehmen könne. Und jetzt solle noch mehr Aufsicht dazukommen– vor Schulbeginn und dann nach dem Mittagessen noch einmal. Durch die gestiegenen Mensa-Angebot werden bereits seit Jahren Lehrer-Stunden vergeudet, sagt Hubert Kainz (SGB/CISL). Eine gewisse Zeit an Aufsicht gehöre wohl dazu, aber es sollte nicht immer größere Ausmaße annehmen.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1058244_image" /></div> <BR />Auch <b>Christoph Buratti</b>, Vorsitzender des Arbeitskreises Südtiroler Mittel-, Ober- und Berufsschullehrer (ASM), meint: „Es ist eine Frage der Ressourcen. Die Lehrer sollten nicht für die Aufsicht genutzt werden – dadurch würden sie viel Unterrichtszeit verlieren. Wenn ein Lehrer 20 Unterrichtsstunden hat und davon gehen 3 Stunden für die Aufsicht verloren, dann werden Fachkräfte falsch eingesetzt. Auch jemand, der nicht als Lehrer ausgebildet ist, kann das machen.“ Die praktische Konsequenz werde dann sein, dass von den Lehrern gefordert werde, mehr Stunden zu leisten, meint Buratti. <BR />Was hingegen die Vereinheitlichung der Bildungszeit betrifft, so sind die Situationen in Städten und Dörfern unterschiedlich, gibt Niederegger zu bedenken. Man müsste erheben, ob der Wunsch nach einer Vereinheitlichung der Bildungszeit wirklich überall gegeben ist und ob diese tatsächlich flächendeckend eingeführt werden soll, fordert Niederegger. „Auf dem Land wollen die Eltern zusammen mit den Kinder zu Mittag essen. Dort ist es nicht so wie in der Stadt.“