Die Mailänder Staatsanwaltschaft kündigte am Mittwoch Einspruch gegen den Gerichtsbeschluss an, Berlusconi im Verfahren wegen mutmaßlichen Steuerbetrugs in einer Affäre um seinen Medienkonzern Mediaset freizusprechen.Das Gericht habe unter anderem die Vergehen für verjährt erklärt, die Berlusconi vor Februar 2004 begangen habe. Die Richter hätten jedoch bei der Berechnung der Verjährungsfristen Fehler begangen, meinten die Staatsanwälte, die beim Kassationsgericht Einspruch einreichen wollen.Dem Ministerpräsidenten wurden Vorgänge bei Mediaset zur Last gelegt, bei denen es um den Erwerb von Fernsehrechten in den USA ging. Der Fall wird damit jedoch nicht vollständig zu den Akten gelegt. Gegen elf weitere Verdächtige soll am 22. Dezember in Mailand ein Prozess beginnen. Unter den Angeklagten sind Berlusconis ältester Sohn Pier Silvio Berlusconi und Mediaset-Präsident Fedele Confalonieri.Gegen Berlusconi läuft bereits ein Prozess im Zusammenhang mit der Sexaffäre um die damals minderjährige Marokkanerin Karima El Marough, genannt Ruby. Die Mailänder Staatsanwaltschaft wirft Berlusconi vor, das Mädchen bei ausschweifenden Partys zwischen Februar und Mai 2010 für Sex bezahlt zu haben. Berlusconi soll zudem sein Amt missbraucht haben, um Rubys Freilassung zu erwirken, als diese wegen Diebstahlsverdachts in Polizeigewahrsam war. Der Regierungschef muss sich bereits wegen Bestechung seines ehemaligen britischen Anwalts David Mills in Mailand vor Gericht verantworten. Berlusconi steht auch wegen des Verdachts des Betrugs und der Unterschlagung beim Kauf von Filmrechten für sein Medienkonzern Mediaset in den 1990er Jahren in Mailand vor Gericht. apa