Die amtierende Bürgermeisterin und Mitte-Rechts-Kandidatin Letizia Moratti schaffte nicht die Wiederwahl beim ersten Wahlgang, sondern musste sich mit 41,6 Prozent der Stimmen auf Platz zwei hinter ihrem Herausforderer aus dem Oppositionslager, Ex-Justizminister Giuliano Pisapia, begnügen. Nun warten die Stichwahlen am 29. und 30. Mai. Seit 15 Jahren hatte kein Mitte-rechts-Kandidat in Mailand in die Stichwahl gehen müssen. Berlusconi sprach von "politischem Blutbad" Grund zum Feiern hatte der PD auch in Turin, Bologna und Triest. Der PdL und die Lega Nord scheinen sich hingegen nicht mehr als Gewinner-Koalition zu fühlen. Im Gegenteil: Auf das Wahldebakel folgen gegenseitige Schuldzuweisungen. Berlusconi soll im Kreise seiner Familie und Freunden am Montagabend von einem „politischen Blutbad“ gesprochen haben. Die Schuld gibt daran er einerseits Letizia Moratti, die nicht überzeugend gewesen sei, andererseits dem Koalitionspartner, der Lega Nord, die sich nicht am Wahlkampf beteiligt habe. Roberto Calderoli sieht die Sache natürlich anders. Sein Fazit: „In Mailand ist die Wahl schlecht gelaufen. Im restlichen Padanien nicht“. Feststeht für ihn, dass sich die Koalition den veränderten Realitäten, sich einer internen Diskussion stellen muss. Ein anderer Lega-Parlamentarier meinte sogar: "Wir sind für unsere Allianz mit Berlusconi bestraft worden, der zu stark mit seinen persönlichen Problemen beschäftigt ist." Opposition spricht von einer "neuen politischen Phase“Die Opposition hingegen spürt wieder Rückenwind. „Wir werden bei den Stichwahlen Mailand erobern. Das wird die Krise der Regierung Berlusconi bis zum Bruch verschärfen. In Italien beginnt jetzt eine neue politische Phase“, prophezeite PD-Chef Pierluigi Bersani. „Die Ära Berlusconi geht dem Ende zu. Die Italiener haben begriffen, dass die Zeit für eine politische Wende gekommen ist“, kommentierte der Präsident der Oppositionspartei „Italia dei Valori“, Felice Belisario.FLI will sich noch nicht festnageln lassen"Das enttäuschende Wahlergebnis für Bürgermeisterin Moratti bezeugt, dass Berlusconi in der Krise steckt. Er bekommt die negativen Auswirkungen seiner Trennung von Fini zu spüren", so der Vizepräsident der Fini-Partei FLI, Italo Bocchino. Noch unklar ist, welche Richtlinien der "Fini-Block seinen Wählern für die Stichwahlen geben wird. Nicht ausgeschlossen ist, dass die Fini-Anhänger ihren Wählern beim zweiten Wahlgang freie Hand lassen. stol