<b>Frau Wisthaler, seit sich Elon Musk als Unterstützer von US-Präsident Donald Trump positioniert hatte, ist er in aller Munde. Weshalb?</b><BR />Verena Wisthaler: Mit umstrittenen Wahlkampfauftritten und kontroversen Äußerungen machte der Geschäftsführer des E-Auto-Herstellers Tesla und des Raumfahrtunternehmens SpaceX auf sich aufmerksam – zuletzt vor allem wegen seiner Einmischung in europäische Wahlkämpfe, etwa durch die Unterstützung der AfD oder des britischen Rechtspopulisten Nigel Farage. Sein enormer Reichtum und die Kontrolle über das soziale Netzwerk „X“ (siehe nebenstehendes Interview) verleihen ihm große Macht.<BR /><BR /><embed id="dtext86-68391768_quote" /><BR /><b>Zu viel Macht?</b><BR />Wisthaler: Auf jeden Fall. Elon Musk und seine Unternehmen sind zu mächtig. Allerdings ist er nur die Spitze des Eisbergs in einem System von Tech-Oligarchen. Konzerne wie Amazon, Google und Apple, einst als Innovationsunternehmen gefeiert, kontrollieren durch ihre Monopolstellungen den Wettbewerb. Sie haben weltweit Zugang zu riesigen Datenströmen und Informationsflüssen. Damit können sie beeinflussen, was Menschen wissen. Bei Elon Musk kam mit Trumps Amtsantritt noch eine bedeutende Rolle in der US-Regierung hinzu.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1124538_image" /></div> <BR /><b>Es scheint, als wäre ihm die politische Rolle in den USA nicht genug, er hat es auf Europa abgesehen. Reicht sein Einfluss bis auf unseren Kontinent – oder gar bis nach Südtirol?</b><BR />Wisthaler: Dank seiner Macht, vor allem mittels X, hat Musk die Möglichkeit, in die öffentliche Meinung in Europa einzugreifen – genauso in Südtirol. Schließlich hat „X“ auch hierzulande sehr viele Nutzer. Musk setzt seine Reichweite ein, gibt teils umstrittenen Positionen Sichtbarkeit und hat erheblich Einfluss darauf, welche Inhalte die Leute zu sehen bekommen – und diese entsprechen seiner politischen Agenda. In anderen Ländern ist die Einbringung in den Wahlkampf deutlicher. So etwa in Deutschland: Er bietet Alice Weidel, Kanzlerkandidatin der AfD, eine Plattform – anderen Kandidaten aber nicht. <BR /><BR /><embed id="dtext86-68393644_quote" /><BR /><Fett>Sie denken wahrscheinlich an das Gespräch mit Alice Weidel auf „X“ – ist das erlaubt?</Fett><BR />Wisthaler: Diese Frage ist komplex. Einerseits darf er einen Livestream hosten, mit wem er will. Auf der anderen Seite zeigen sich Politiker und Bürger zurecht besorgt, weil er durch seinen Einfluss die Demokratie eines anderen Landes auf die Probe stellt. In Großbritannien war von der Spende einer immensen Geldsumme an die Partei von Nigel Farage die Rede. Mittlerweile hat sich Musk wieder von ihm abgewendet, die Spende ist nicht geflossen. Ein Verbot festzulegen ist schwierig. Bis dieses in Kraft tritt, ist es wohl zu spät und inzwischen hat Musk freie Fahrt. <BR /><BR /><b>Welches Ziel verfolgt Elon Musk?</b><BR />Wisthaler: Dies weiß wohl kaum jemand. Während der Tech-Gigant vor einigen Jahren auch in Europa noch sehr geschätzt war, wendete sich das Blatt mit dem Kauf von „X“. Damals hielt er sich politisch zurück. Außerdem gab er seine Stimme an Joe Biden und nicht an Donald Trump. Was zur Radikalisierung führte, ist nicht klar – manche sprechen von finanziellen Gründen, andere von einem Rachefeldzug. Jedenfalls scheint er der Welt, seine Ideologie aufdrücken zu wollen.<h3>Von Twitter zu „X“</h3><i>3 Fragen an den Experten für soziale Medien im Forum Prävention, Manuel Oberkalmsteiner.<BR /></i><BR /><Fett>Wie hat sich „X“ seit der Übernahme durch Elon Musk verändert?<BR /></Fett> <KeinAbsatz></KeinAbsatz>Manuel Oberkalmsteiner: Viele Promis, Konzerne und Werbetreibende sind ausgestiegen. Laut der Beobachtung durch Experten ist die Plattform politisch nach rechts gerückt. Es werden viel mehr Falschmeldungen verbreitet.<BR /><BR /><Fett>„D“: Wurden Faktenprüfer abgesetzt?<BR /></Fett>Oberkalmsteiner: In den USA schon – und zwar nicht nur bei „X“, sondern kürzlich auch bei Facebook und Instagram. Bei uns in Europa sind noch bei allen Plattformen externe Faktenprüfer im Einsatz. In den Staaten wird auf sog. Community Notes gesetzt.<BR /><BR /><embed id="dtext86-68393645_quote" /><BR /><Fett>„D“: Eine gute Alternative?<BR /></Fett>Oberkalmsteiner: Nutzer selbst stimmen ab, ob es sich um Wahrheit oder Lüge handelt. Der Grundgedanke ist gut, aber es ist keine alleinige Lösung.