Bei einem offiziellen Besuch am Montag in Prag bezeichnete er es als „Kränkung“, dass die Beitrittsverhandlungen weiterhin schleppend verliefen, obwohl bereits fünf Millionen türkischer Staatsbürger in der EU lebten. Gleichzeitig erklärte Erdogan aber, dass die Kooperation und Solidarität mit den europäischen Ländern weiterlaufe, obwohl die Türkei als Mitgliedsland nicht akzeptiert werde.Das 74-Millionen-Einwohnerland erhielt 1999 den Status eines EU-Beitrittskandidaten, Gespräche zur europäischen Integration laufen aber bereits seit 1963. Der stärkste Gegenwind kommt dabei von Frankreich und Deutschland. Seit Juni 2010 wurden in den Beitrittsverhandlungen keine Fortschritte verzeichnet, von 35 Verhandlungskapiteln wurde erste eines – über Wissenschaft und Forschung – abgeschlossen. Derzeitig wird lediglich über 13 Kapitel verhandelt, 21 weitere wurden erst gar nicht eröffnet.Wie Erdogan gegenüber der türkischen Tageszeitung „Today„s Zaman“ sagte, bestünden die größten Differenzen aber nicht über die Einhaltung von EU-Normen, sondern in erster Linie in der Zypern-Frage. Ankara verweigert weiterhin die Ausweitung der Zollunion auf die Republik Zypern: griechisch-zypriotischen Flugzeugen und Schiffen bleibt der Zugang zum Luftraum sowie zu den Häfen der Türkei weiterhin versperrt. Dies verleitet Zypern dazu, sich in etlichen Verhandlungsfragen querzustellen.apa/reuters