Donnerstag, 12. September 2019

Erhöhung des Kindergarten-Alters: „Zumutung für Familien“

Kinder, die im Jänner und Februar geboren sind, dürfen künftig nicht mehr im dritten Lebensjahr in den Kindergarten. „Man lässt uns im Regen stehen, ohne auf die Kinder, die Kosten und Familienplanungen Rücksicht zu nehmen“, klagen die leidtragenden Eltern und fordern eine Abkehr von der Neuregelung.

Kinder, die im Jänner und Februar geboren sind, dürfen künftig nicht mehr im dritten Lebensjahr in den Kindergarten.
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Kinder, die im Jänner und Februar geboren sind, dürfen künftig nicht mehr im dritten Lebensjahr in den Kindergarten. - Foto: © shutterstock

Eine Gesetzesänderung, über die der Landtag am heutigen Donnerstag befindet, lässt derzeit die Wogen hoch gehen, inklusive Protestmails und Briefe an die zuständigen Politiker und Ämter. 

Der Grund ist einfach: „Mein zweites Kind ist im Jänner 2018 geboren und darf erst mit fast 4 Jahren in den Kindergarten, sprich ein volles Jahr später als bisher möglich“, empört sich die Mutter Petra Kerschbaumer. „Die betroffenen Familien fallen aus allen Wolken“, weiß sie, die mit anderen die Initiativgruppe „MeinKindMussDraußenBleiben“ gestartet hat, um dagegen Sturm zu laufen. 

Ausschluss zu kurzfristig – kein Betreuungsplatz  

Mit sich bringen soll das Ganze eine Entlastung für das Kindergartenpersonal, so der Wunsch der Politik. Denn dass es an Kindergartenpersonal fehlt, ist Fakt. „Doch anstatt dem Personal mit guten Verträgen und der gebührenden Wertschätzung zu begegnen, um dem Notstand entgegenzuwirken, wird einfach von jetzt auf morgen die Kinderzahl reduziert“, zeigt sich Kerschbaumer von der Denk- und Vorgehensweise der Politik entsetzt. Vor allem auch, weil die Neuregelung bereits 2020/21 greifen soll. Rund 400 Kleinkinder sind betroffen.

„Die Kinder, um die es geht, sind heute 19-20 Monate alt. Sie sind nicht irgendwelche vagen Objekte, sondern fixer Bestandteil der Familien- und Berufsplanung. „Mütter und Eltern haben sich organisiert, um ins Berufsleben zurückzukehren und stehen jetzt ohne Kindergartenplatz da“, erklärt eine Betroffene. So kurzfristig sei dies unzumutbar. Von einem Fausthieb gegen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ganz zu schweigen. 

„Problem wird auf Eltern abgewälzt“ 

„Die Unfähigkeit der Politik, den aktuellen Erfordernissen Rechnung zu tragen, gipfelt nun darin, dass das Problem – unvermittelt und ohne jedweder Hilfestellung – auf die Eltern abgewälzt wird“, verwehrt sich die Initiativgruppe gegen ein Inkrafttreten des Gesetzes.

„Die meisten der 400 Kinder benötigen damit zusätzlich 9 bis 12 Monate einen Platz in der Kleinkindbetreuung. Dabei mangle es schon jetzt an Tagesmüttern und Kitaplätzen“, zeigt Mutter Sabine Conte die konkrete Notsituation auf.

5 mal höhere Kosten 

Nicht zu vergessen die unvergleichlich höheren Betreuungskosten: Ein Kindergartenbesuch kostet im Monat im Schnitt rund 75 Euro. „25 Stunden Kita, sprich Halbtagesbetreuung, raubt den Eltern im Vergleich dazu 365 Euro. Zudem wird ab dem Alter von 3 Jahren kein staatlicher Kitabonus mehr bezahlt. Wir Eltern hätten fünfmal höher Kosten zu schultern“, zeigen die Mütter die unzumutbare Mehrbelastung auf.  

Alle Unter-3-Jährigen zudem als Mehrbelastung für das Kindergartenpersonal, nicht tragbare Windelkinder oder heillos überforderte Fremdkörper abzutun, sei schlichtweg eine pauschale Verurteilung, die durch zahllose Erfahrungsberichte widerlegt werden kann. „Unsere Tochter durfte mit 2 Jahren und 8 Monate in den Kindergarten. Die Erzieherinnen meinten, sie sei den anderen Kinder gewachsen und nicht im Nachteil“, berichtet eine Mutter. 

Aufschub sei das Mindeste

Einen Appell richten die Betroffenen daher auch an das Kindergartenpersonal selbst: „Bitte nehmt euch unserer Kinder an, sie lechzen nach einem altersgerechten Umfeld. Die Alterspanne im Kindergarten mag mit 3 bis 6 Jahren groß sein, ist in der Kleinkindbetreuung von 3 Monaten bis 3 bzw. dann 4 Jahren aber um ein zigfaches größer. Wir spüren, dass unserer Kinder nicht draußen bleiben wollen!“

Fazit: „Der Ausschluss ist eine Zumutung, die wir nicht hinnehmen wollen und viele auch nicht können“, so die Initiativgruppe, die für eine Abkehr vom eingeschlagenen Weg plädiert.

Das Mindeste sei ein Aufschub der Regelung, um Eltern und Strukturen die Möglichkeit zu geben, sich familiär und beruflich danach zu richten.

stol

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