Dienstag, 22. September 2020

Erntehelfer in Quarantäne: Operation „Heimschicken“ vertagt

Sollen die knapp 60 Erntehelfer aus Rumänien, die sich in Corona-Quarantäne befinden und symptomfrei sind, heimgeschickt werden? Diese Frage beschäftigte Zivilschutz und Sanitätsbetrieb auch übers Wochenende, wie das Tagblatt „Dolomiten“ berichtet.

Die Zahl der Neuinfektionen ist in den vergangenen Tagen auch unter den Erntehelfern deutlich angestiegen.
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Die Zahl der Neuinfektionen ist in den vergangenen Tagen auch unter den Erntehelfern deutlich angestiegen. - Foto: © shutterstock
„Aus menschlicher und sanitärer Sicht wäre es sicherlich sinnvoll, die Erntehelfer, die sich in Quarantäne befinden und symptomfrei sind, in ihre Heimat zurückzubringen“, bringt Dr. Patrick Franzoni, Leiter der Covid-Station in Bozen, die Angelegenheit auf den Punkt.

Vergangene Woche sind bekanntlich die Fälle auch unter Erntehelfern stetig angestiegen, daher wurde in Betracht gezogen, zu tun, was noch keiner gemacht hat: eine Rückführung von Erntehelfern in Quarantäne, die keine Symptome aufweisen. Südtirol hat das nur für Erntehelfer aus Rumänien in Betracht gezogen – knapp 60 sind in Quarantäne bzw. positiv getestet worden, aber symptomfrei. Derzeit sind nur 2 bulgarische Erntehelfer in derselben Situation.

Ungarn stellt sich quer

Die Hürden allerdings häufen sich, stellte Unterweger fest: Ungarn legt sich quer. Auf dem Landweg darf keinesfalls ein Bus voller Quarantänefälle das Land passieren. Bleibt nur der Luftweg: Möglich wäre es, ein Flugzeug von Innsbruck bis Bukarest zu chartern.

Österreich und eine Fluggesellschaft haben signalisiert, dass es nicht ausgeschlossen sei. Aufwand und Kosten sind aber hoch: Allein das Flugzeug kostet 40.000 Euro – die Kosten müssten die Erntehelfer oder ihre Arbeitgeber tragen – „das Land kann diese Kosten nicht übernehmen“, stellt Unterweger klar. Nicht eingerechnet ist die Fahrt von Bozen bis Innsbruck, und das Fachpersonal, das die Reisenden begleiten müsste.

Situation scheint sich zu entspannen

„Bis jetzt habe ich aber nur vorgefühlt. Würden wir das wirklich durchziehen, muss auf jeden Fall das Außenministerium einbezogen werden. Und, was wohl auch keine Kleinigkeit ist: Ein ärztliches Attest, in dem steht, dass diese Person, die eigentlich von allen isoliert sein müsste, aus sanitärer und hygienischer Sicht bedenkenlos eine Reise in einem geschlossenen Verkehrsmittel mit anderen Personen antreten darf“, gibt Unterweger zu bedenken.

Eben weil alles so kompliziert ist und sich zudem die Situation zu entspannen scheint – die täglichen Fallzahlen sinken, und der Bauernbund hat noch Kapazitäten für eventuelle Quarantänefälle signalisiert – wurde die „Operation Heimschicken“ vertagt. „Diese Woche sind nur noch 50 Erntehelfer zum Test angemeldet, einige Dutzend Ergebnisse stehen noch aus“, sagt Unterweger. Ein, 2 Tage wolle man noch zuwarten. „Wenn sich die Situation wider Erwarten zuspitzt, werden wir wohl doch an die Umsetzung gehen“, sagt Unterweger.

uli

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