Freitag, 29. Mai 2015

Erstklässler: Teils über 50 Prozent mit Migrationshintergrund

Auch im kommenden Schuljahr 2015/16 werden wieder Kinder mit Migrationshintergrund die ersten Klassen an Südtirols Grundschulen besuchen. In manchen Gemeinden macht ihr Anteil mehr als die Hälfte der Erstklässler aus.

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Foto: © STOL

„Aus der Antwort der drei Schullandesräte Philipp Achammer, Christian Tommasini und Florian Mussner geht hervor, dass es im kommenden Schuljahr 2015/2016 in Südtirol bereits mehrere erste Grundschulklassen mit einem Ausländeranteil von über 40 Prozent geben wird“, stellt die Landtagsabgeordnete Tamara Oberhofer fest.

Über 50 Prozent

An den deutschsprachigen Schulen sind dies die Grundschule in Lajen (50%), Waidbruck (55,6%), Franzensfeste (66,7%), Planitzing in Kaltern (50%), Blumau in Karneid (50%), Mühlbach (62,5%) und die Grundschule Obervintl (40%).

Insgesamt beträgt der Ausländeranteil in den ersten Klassen aller deutschen Grundschulen nur 9,2 Prozent, weil jene Schulen ohne ausländische Erstklässler den Schnitt drücken.

An den italienischsprachigen Schulen weisen die ersten Klassen der Grundschule A. Rosmini (40%), Dante Alighieri (48,6%), F. Chini (50%) und San Filippo Neri (48,5%) in Bozen sowie die Grundschule L. da Vinci in Meran (39,4%) einen sehr hohen Anteil ausländischer Kinder auf.

 Insgesamt liegt der Ausländeranteil in den ersten Klassen der italienischen Grundschulen deutlich höher als in den deutschen, nämlich bei 23,7 Prozent. 

Die ladinischen Grundschulen weisen, mit Ausnahme von St. Christina (21%), keinen nennenswerten Ausländeranteil auf.

 

 

„Nicht nur die auffällige Konzentration auf bestimmte Gemeinden und Städte sollte der Landesregierung eine Überlegung über eine ausgewogenere Verteilung wert sein", so Oberhofer. 

Vor Schulantritt sprachtauglich

Zudem wollte Oberhofer wissen, welche Maßnahmen in den Klassen mit hohem Ausländeranteil ergriffen werden. Die Antwort in der Anfrage ergab, dass diese Klassen zusätzliche Lehrerressourcen durch das Schulamt, verschiedene Sprachkurse durch die Sprachenzentren und bei Bedarf Hilfe von interkulturellen Mediatoren erhalten.

"Der Sprachstand der Kinder sollte auf jeden Fall bereits vor Schuleintritt unterrichtstauglich sein“, betont Oberhofer.

Detaillierter zu analysieren sei hierbei die Sprachkompetenz der ausländischen Kinder vor Schuleintritt sowie die Lernfortschritte aller Kinder in den betroffenen Klassen im Sinne einer bestmöglichen Schulbildung der Grundschüler. Dies solle aber nicht die Hauptaufgabe der Lehrer sein.

"Südtirols Lehrpersonen sollten nämlich ihren Unterrichtsstoff unbeschwert und so inhaltsorientiert wie möglich vermitteln können. Die Durchführung eines „sprachsensiblen Unterrichts“ und die Erhebung des Sprachstandes sollten nicht zu ihren Zuständigkeiten gehören und ein Hindernis für den regulären Unterricht darstellen, fordert die Landtagsabgeordnete.

Eintritt mitten im Schuljahr

 „In diesem Zusammenhang dürfen auch nicht jene Schulen vergessen werden, welche sich regelmäßig mit Eintritten ausländischer Kinder mitten im Schuljahr auseinandersetzen müssen. Diese Kinder bringen oft keine Sprachkenntnisse mit, müssen aber aufgrund der geltenden Schulpflicht dennoch den Schulalltag bewältigen. Diese Realität ist nicht nur für die Schulen, sondern auch für die ausländischen Kinder eine Belastung“, so die Landtagsabgeordnete.  

stol 

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