Montag, 15. Juni 2020

Erstmals mutmaßlicher Kriegsverbrecher aus Sudan vor Weltstrafgericht

Rund 15 Jahre nach Start der Ermittlungen zu den Massakern von Darfur im Sudan ist der erste mutmaßliche Kriegsverbrecher des Sudan vor dem Weltstrafgericht erschienen. Dem ehemaligen Milizenchef Ali Muhammad Ali Abd-Al-Rahman werden schwere Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in der sudanesischen Krisenregion zur Last gelegt.

Der Angeklagte wurde aus dem Gefängnis zugeschaltet.
Der Angeklagte wurde aus dem Gefängnis zugeschaltet. - Foto: © shutterstock
Der 70-Jährige wies am Montag in Den Haag die Vorwürfe zurück. „Das ist unwahr“, sagte er dem Richter des Internationalen Strafgerichtshofes. „Man hat mich dazu gebracht, hierher zu kommen, und ich hoffe, ich bekomme Gerechtigkeit.“

Abd-Al-Rahman hatte sich in der vergangenen Woche in der Zentralafrikanischen Republik gestellt. Er soll einer der bedeutendsten Anführer der Jandjawid-Miliz gewesen sein. Ihm werden in mehr als 50 Fällen unter anderem Mord, Folter, Plünderung, Vergewaltigung und Zwangsvertreibung vom August 2003 bis März 2004 vorgeworfen. Die Jandjawid werden verantwortlich gemacht für die Ermordung von etwa 300.000 Menschen in der Darfur-Region.

Die Anklage hatte den Namen des Angeklagten zunächst als Ali Kusheib angegeben. Das aber sei nicht sein Name, sagte er. Wegen der Corona-Maßnahmen verfolgte Abd-Al-Rahman der Sitzung über eine Videoverbindung im Gefängnis. Das Gericht setzte für Dezember die Anhörung an, um die Anklage zu bestätigen. Wann das Hauptverfahren beginnen wird, ist noch unbekannt.

Der UN-Sicherheitsrat hatte das Gericht 2005 mit Ermittlungen zu den Verbrechen in Darfur beauftragt. Es will auch dem Ex-Präsidenten Omar al-Bashir den Prozess machen – er wird des Völkermordes beschuldigt.

apa/dpa

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