Statt Renzi auf bestimmte Standpunkte anzusprechen, die nie und nimmer mit einer autonomistischen Haltung vereinbar seien, habe sich die SVP mit ein paar Lippenbekenntnissen abspeisen lassen.Sie übe sich wieder einmal im altbekannten Zweckoptimismus und übersehe dabei, dass die Südtiroler von ständigen Zusagen und Versprechungen allmählich die Nase gestrichen voll hätten, betont Mair. "Während die SVP und der PD sich Gesetze wie das Wahlgesetz zurechtzimmern und um Posten feilschen, nützt Südtirol dieses ständige 'Gepacktle' rein gar nichts und es wird für Südtirol alles nur schlimmer. Ob bei der Bürokratie, der Justiz oder der wirtschaftlichen Situation: Während die Südtiroler Politik jubelt, erlebt die Bevölkerung eine vollkommen andere Realität, die sich ständig verschlimmert. Man darf auf jeden Fall gespannt sein und es wäre wünschenswert, wenn sich wirklich einmal eine Verbesserung für Südtirol einstellen würde, was wir Freiheitlichen sehr begrüßen würden, auch wenn wir eine Zukunftsperspektive ohne Italien als die bessere vertreten", erklärt die Landtagsabgeordnete.Renzi, der jetzt allerseits in den Himmel gelobt werde, habe bis dato aber weder Erfolge, noch eine parlamentarische Mehrheit vorzuweisen. Die Situation sei die gleiche, wie unter Bersani oder unter Letta, die ja auch als die großen Südtirol-Freunde betitelt worden seien, ohne dass sich für Südtirol irgendeine nachhaltige Verbesserung eingestellt hätte. "Diese Situation ist politisch äußerst instabil und nach wie vor ungewiss. Dass nach dem 'technischen' Ministerpräsidenten Letta nun der 'politische' Ministerpräsident Renzi antritt, der noch dazu monatlich große Reformen verabschieden will, kann angesichts der politischen Situation nicht ganz ernst gemeint sein. Renzi wird an seinen eigenen Ansprüchen scheitern und es ist wohl auch nur eine Frage der Zeit, bis diese Regierung Renzi scheitert."Es dürfe angenommen werden, dass auch alles darauf hinauslaufe und dass das ganze Theater rund um Renzi ein PR-Gag sei, um die Neuwahlen politisch vorzubereiten und um als PD möglichst gut abzuschneiden. "Schuld sind dann wohl diejenigen Parteien, die die Renzi-Reformen nicht durchgewunken haben. Staatspräsident Napolitano spielt dieses Spiel bezeichnenderweise als politischer Erfüllungsgehilfe des PD freudig mit", so Mair.Südtirol frage sich dabei, wie die SVP auf Ansagen Renzis reagiere, dass die Regionen mit Normalstatut an jene mit Sonderstatut angepasst werden sollen?Es werde doch wohl niemand die Worte von Renzi-Freund Roberto Bizzo glauben, dass Renzi alle Regionen Italiens auf Südtirol-Niveau heben wird können und wollen. Es gehe stattdessen darum, das Südtiroler Niveau an jenes der restlichen Regionen anzupassen und Südtirol für die Konsolidierung des italienischen Staatshaushaltes heranzunehmen, also das fortzusetzen, was Monti, Bersani und Letta begonnen hätten. "Dafür spricht auch das Vorhaben Renzis, verschiedene Dienste wie die Energie zu zentralisieren und zu verstaatlichen, was ganz bestimmt nicht im Sinne unserer Autonomie ist, sondern ein Schritt nach ganz weit hinten. Die SVP hat die kritischen Standpunkte, die Renzi vertritt, wohl gar nicht angesprochen, sondern sich mit Lippenbekenntnissen abspeisen lassen und sich mit der Aussicht begnügt, mit Renzi ein Wahlgesetz und Posten auszuhandeln, was der SVP und nicht Südtirol nutzt. Südtirol hat allmählich vom politischen 'Flirt' der SVP mit dem PD die Nase voll und es wäre nachhaltiger und ehrlicher, endlich einen politischen Pakt jener Parteien einzugehen, die Südtirol vertreten und nicht ein wirtschaftlich, politisch und moralisch bankrottes Italien", betont die Landesparteiobfrau der Freiheitlichen.