Samstag, 22. Februar 2020

„Es lebe die Freiheit“ – 77. Todestag der Geschwister Scholl

„So ein herrlicher Tag, und ich soll gehen. Aber was liegt an unserem Leben, wenn wir es damit schaffen, Tausende von Menschen aufzurütteln und wachzurütteln.“ Das waren die letzten Worte von Sophie Scholl, ehe sie vor genau 77 Jahren gemeinsam mit ihrem Bruder Hans sowie Christoph Probst, ermordet von den Nationalsozialisten, durch die Guillotine starb. Auch in Bozen fand am Samstag eine Gedenkfeier statt.

Heute vor genau 77 Jahren, am 22. Februar 1943, wurden Sophie und Hans Scholl (im Bild) sowie Christoph Probst hingerichtet.
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Heute vor genau 77 Jahren, am 22. Februar 1943, wurden Sophie und Hans Scholl (im Bild) sowie Christoph Probst hingerichtet. - Foto: © shutterstock
Die „Weiße Rose“ war eine studentische Widerstandsgruppe gegen die Diktatur des Nationalsozialismus. Neben der damals 21-jährigen Sophie Scholl und ihrem 3 Jahre älteren Bruder Hans gehörten auch der 23-jährige Christoph Probst, Kurt Huber, Alexander Schmorell und Willi Graf der Gruppe an. Gemeinsam verfassten, druckten und verteilten sie trotz höchster Lebensgefahr 6 Flugblätter, die unter anderem an die Verantwortung eines jeden Einzelnen für Freiheit und Gerechtigkeit appellierten. Die Bevölkerung sollte demnach aufgerüttelt und von ihrer moralischen Pflicht zum Widerstand gegen das NS-Regime überzeugt werden.



Ihr Widerstand kostete sie ihr Leben

Beim Auslegen des sechsten – von Kurt Huber verfassten – Flugblatts „Kommilitoninnen! Kommilitonen!“ in der Universität München wurden Hans und Sophie Scholl am 18. Februar 1943 von der Gestapo verhaftet. Die Geschwister konnten nicht verhindern, dass einen Tag später auch Christoph Probst, ein weiteres Mitglied der Weißen Rose, festgenommen wird.

Nur 4 Tage später, am 22. Februar 1943, wurden Hans und Sophie Scholl sowie Christoph Probst in München durch das NS-Regime zum Tode verurteilt. Noch am selben Tag starben die 3 Widerstandskämpfer unter dem Fallbeil des Nationalsozialismus. Später wurden auch weitere Mitglieder der „Weißen Rose“ hingerichtet.

„Ihr werdet in die Geschichte eingehen“

Auch während des langen Verhörs leugneten die Geschwister Scholl ihre Taten nicht, sondern bekräftigten laut Protokoll weiterhin, dass sie aus voller Überzeugung gehandelt hatten. Doch am Ende mussten sie mit ihrem Leben bezahlen. Sie kämpften für die Freiheit bis in den Tod.

„Ihr werdet in die Geschichte eingehen“, sagt der Vater, während er seine Kinder Hans und Sophie ein letztes Mal in den Arm nimmt. „Das wird Wellen schlagen“, antwortet Sophie. Dann geht sie als Erste. Ihr folgt Hans Scholl. „Es lebe die Freiheit!“, sind seine letzten Worte.

Gedenkfeier in Bozen – sh.asus fordert Umbennennung des Universitätsplatzes

„Märtyrer für die Werte, auf denen ein freies Europa gründet. Zeitlose Vorbilder für alle, die für eine gerechte Welt kämpfen.“ Diese Worte fand Matthias von Wenzl, Vorsitzender der sh.asus für die Mitglieder der Wiederstandsorganisation „Weiße Rose“, die 1943 aufgrund ihres unerschrockenen Kampfes gegen das NS-Regime hingerichtet wurden.

Ihrer wurde am Samstag in der Landeshauptstadt mit einer kurzen Zeremonie gedacht. Sophie und Hans Scholl sowie Christoph Probst waren gewöhnliche Studierende, die mit antifaschistischen Flugblättern ihre Mitstudierenden „wachrütteln“ wollten. „Sie gaben ihr Leben für eine lebenswerte, humane Zukunft für ihre Kommilitonen. Wir Studierende sind gefordert, das Beispiel der Geschwister Scholl zu würdigen, indem wir gegen den Hass, die Desinformation und gegenseitige Verachtung vorgehen, die das gesellschaftliche bzw. politische Klima im Westen vergiften - jeder in seinem Alltag und auf seine Weise“, so der Vizepräsident Julian Nikolaus Rensi.

Die HochschülerInnenschaft fordert weiterhin, den Universitätsplatz zu Ehren der studentischen Widerstandshelden umzubenennen. Der Bozner Geschwister-Scholl-Platz liegt aktuell zu weit außer Reichweite der Uni; bei einer Umbenennung des zentralen Universitätsplatzes könnte man das Andenken an den Widerstand jedoch stärker im Alltag der Studierenden sowie der Bürgerinnen und Bürger allgemein, verankern. Auch solche symbolpolitischen Schritte haben ihre Berechtigung, so der Vorsitzende.

Die Politik lebe heute auch davon, „Zeichen zu setzen“ gegen die Feinde der demokratischen Ordnung, und was vor einigen Jahren noch als reine bürokratische und finanzielle Verschwendung abgetan worden wäre - die Umbenennung eben - ist in Zeiten des wachsenden Rechtsradikalismus ein wichtiger erster Schritt. Der zweite muss im Bildungswesen ansetzen, so von Wenzl, mit dem Ziel, „jede Form des Neonazismus und Antisemitismus endgültig und wirksam aus den Köpfen zu verbannen.“



psy