<b>Herr Walcher, am Donnerstagabend ging wohl die letzte Sitzung mir Ihnen als Vizebürgermeister über die Bühne. Ist nun endgültig Schluss?</b><BR />Luis Walcher: Es war definitiv meine letzte Gemeinderatssitzung. Der Termin des endgültigen Abschieds ist noch nicht genau definiert. Es sollte in den ersten Jännertagen soweit sein<BR /><BR /><b>Im Mai 2005 sind sie erstmals in den Gemeinderat eingezogen, waren SVP-Fraktionssprecher, Gemeinderatspräsident, ab Juni 2016 Stadtrat und 3 Jahre später schlussendlich Vizebürgermeister. Sie haben die Arbeit auf Gemeindeebene sozusagen von der Pike auf gelernt?</b><BR />Walcher: Das kann so sagen. Ich habe in den vergangenen fast 20 Jahren alle Bereiche der Verwaltung kennen gelernt, da ich in nahezu jeder Gemeindekommission gesessen bin. Als Gemeinderatspräsident hab ich vor allem auf zwischenmenschlicher Eben viel dazugelernt. Es gab mitunter heftige und hart geführt Diskussion, schlussendlich konnte aber immer eine gemeinsame Gesprächsbasis gefunden werden. <BR /><BR /><embed id="dtext86-62747865_quote" /><BR /><BR /><b>Was waren denn die in Ihren Augen großen Themen, die auch Ihre Handschrift tragen?</b><BR />Walcher: Ich hatte in den vergangenen Jahren überaus wichtige Bereiche wie die öffentlichen Arbeiten und die Urbanistik zu verwalten. Diese Agenden sind sichtbarer, als vielleicht manch andere. Ich denke da z.B. an den Bau der Busspur durch die Drususallee. Das haben wir durchgezogen. Es gab viele Reklamationen, schlussendlich waren am Ende aber mehr oder weniger alle zufrieden. In dieser Angelegenheit war es mir wichtig die Anregungen der Bürger ernst zu nehmen und damit die Stimmung zu beruhigen. Das ist mein Verständnis von Politik: Die Meinung des Bürgers gehört gehört.<BR /><BR /> <a href="https://www.stol.it/video/media/bozen-aera-von-vizebuergermeister-luis-walcher-geht-zu-ende" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Luis Walcher verabschiedet sich: Das Video</a><BR /><BR /><b>Weitaus komplexer ist der Bereich Urbanistik. Wohnungen fehlen, viel wurde in den vergangenen Jahren nicht gebaut. Ihr Credo war seit jeher: Bestehendes entwickeln und keine neuen Flächen ausweisen. Ist das der richtige Ansatz?</b><BR />Walcher: Davon bin ich nach wie vor überzeugt. Jeder kennt mittlerweile die Studien der vergangenen Jahre, die einen Bedarf von X-Tausend Wohnungen feststellten. Meine Frage war immer: Wer wohnt und vor allem wer bezahlt? Antworten dazu habe ich nie bekommen. Die Raumordnung muss meiner Meinung nach, vor allem was die Zweckbestimmungen betrifft, flexibler werden. <BR /><BR /><b>Und das heißt was?</b><BR />Walcher: Wenn das Gemüsegeschäft im Erdgeschoss seinen Betrieb einstellt, dann kann das freiwerdende Lokal ohne Weiteres z.B. von einem Zahnarzt oder Wirtschaftsberater genutzt werden, der muss nicht im 4. Stock residieren, der eigentlich als Wohnraum dienen sollte. Die Zweckbestimmung zu ändern ist schon möglich, aber es muss unbürokratischer laufen. <BR /><BR /><embed id="dtext86-62747866_quote" /><BR /><BR /><b>Sind Sie in Kenntnis, wie viele Wohnungen in Bozen leer stehen?</b><BR />Walcher: Derzeit nicht. Aber der Leerstand wird erhoben. Geschehen wird dies im Zuge der Erarbeitung des Gemeindeentwicklungsplans. Da legen wir nun los. Am Ende wird feststehen, was tatsächlich gebraucht wird und wohin sich die Stadt entwickeln sollen. Es bringt nichts, jetzt drauf los zu bauen, wie es manche fordern. Auch die Explosion des Angebots an Ferienwohnungen hat uns zu schaffen gemacht. Wenigstens ist das nunmehr gesetzlich neu geregelt und wird hoffentlich für Entspannung sorgen. <BR /><BR /><b>Ein weiteres Dauerthema ist der Verkehr. An der Agenda Bozen werkelt man auch schon seit Jahren herum. Kommt jetzt dann was?</b><BR />Walcher: In der Einsteinstraße wird mit den ersten Arbeiten im neuen Jahr begonnen. Man muss wissen, dass die Planungen für derartige Großprojekt sehr viel Zeit in Anspruch nehmen. Die Vorhaben sind auf den Weg geschickt. Bis erste Verbesserungen spürbar sind, wird es noch dauern. Ich wage aber zu behaupten, dass in den vergangenen Jahren Verkehrs-Projekte auf den Weg geschickt wurden, über die man fast 30 Jahre lang diskutiert hat. Als prominentestes Beispiel nenne ich den Hörtenbergtunnel. <BR /><BR /><b>In Ihrer Zeit haben Sie 3 Bürgermeister erlebt: Giovanni Benussi nur kurz, Luis Spagnolli etwas länger und nunmehr Renzo Caramaschi. Man hat den Eindruck Sie und Caramaschi sind ein eingespieltes Team?</b><BR />Walcher: Renzo Caramaschi ist ein Macher. Es ging und geht ihm darum etwas weiterzubringen. Ich denke da gleich. Dadurch haben wir eine sehr gute Basis gefunden. Wir waren nicht bei allen Themen gleicher Meinung, einen Streit hat es aber nie gegeben. Uns war der Kompromiss wichtig und das hat sich positiv auf die Zusammenarbeit ausgewirkt. <BR /><BR /><embed id="dtext86-62747867_quote" /><BR /><BR /><b>Jetzt kommt der Landtag. Welche Rolle möchten Sie dort spielen?</b><BR />Walcher: Das wird sich weisen. Ich habe einen Wählerauftrag und den werde ich erfüllen. Meine im Bozner Rathaus gesammelten Erfahrungen, werden mit für die Arbeit auf Landesebene mit Sicherheit nützlich sein. <BR /><BR /><b>Ihr Abgang reißt auch eine Lücke in die SVP-Fraktion...</b><BR />Walcher: ...und darüber mache ich mir keine Sorgen. Stadträtin Johanna Ramoser und der designierte Stadtrat und Vizebürgermeister Stephan Konder haben bereits Erfahrung und werden gut zusammenarbeiten. Auch in der Fraktion gibt es fähige Leute, die für die Landeshauptstadt gut sorgen werden. <BR /><BR /><b>Ein Wort noch zum „Abschied“.</b><BR />Walcher: Es war mir eine große Ehre für meine Heimatstadt Verantwortung tragen zu dürfen und ich werde sie auch in meiner Arbeit im Landtag natürlich im Auge behalten. Es war ein interessante, intensive und vor allem lehrreiche Zeit und jetzt freue ich mich auf die neue Herausforderung im Südtiroler Landtag.