<BR />Sich bewusst in Szene zu setzen, ist per se nichts Falsches. Willy Brandts Kniefall zum Beispiel brannte sich nun mal tiefer ins kollektive Gedächtnis ein als ein 80-seitiger Gesetzestext. Gefährlich wird es jedoch, wenn sich alles nur mehr um Posen dreht, wenn also das Selbstprofilieren den Inhalt ersetzt.<BR /><BR />Und genau das passiert gerade, scrollt man durch die Social-Media-Kanäle unserer Amtsträger. Ein Besuch auf dem Dorffest hier, ein Händeschütteln dort: Es wird geknipst, gepostet und gelikt, was der Akku hergibt. Hauptsache, es wirkt volksnah und authentisch. Sachthemen? Werden einfach mit dem nächsten Bierzelt-Prost weggepostet. Die Dauerbeschallung erzeugt eine reine Schein-Kommunikation. Wir wissen millimetergenau, auf welchem Festl unsere Politiker gerade anstoßen, haben aber keinen blassen Schimmer, wohin sie das Land steuern wollen.<BR /><BR /><embed id="dtext86-76115331_quote" /><BR /><BR />Die Kehrseite des Ganzen offenbart sich, wenn einmal wirklich eine Debatte entbrannt und politische Kommunikation gefordert ist. Da scheitert es oft – wie jüngst beim Possenspiel um den Senatswahlkreis Bozen (Unterland). Es wird herumgedruckst, gemauert und widersprochen, bis auch der letzte Bürger den Faden verliert. Fehler eingestehen? Fehlanzeige. Bevor ein Politiker zu einer Fehlentscheidung steht, friert eher die Etsch zu. Davon zeugten auch die Halbzeit-Pressekonferenzen der Landesräte. Eine Bilanz über die eigene Arbeit zu ziehen, ist etwa so aussagekräftig, als würde man Schülern erlauben, ihr Halbjahreszeugnis selbst auszustellen – eine Lobeshymne.<BR /><BR />Das eigentliche Problem des Ganzen: Hier steht mehr auf dem Spiel als nur schlechte PR. Es beschleunigt den Vertrauensbruch zwischen Bürgern und Politik. Denn verlorenes Vertrauen ist selten das Ergebnis einer einzelnen falschen Entscheidung – es ist das Produkt jahrelanger, mangelhafter Kommunikation.<BR /><BR />josef.bertignoll@athesia.it