Im Oktober werde in Bukarest eine EU-Konferenz stattfinden, „um die Hilfsprogramme für die Roma besser in Gang zu bringen“, kündigte der Ungar Andor im Interview mit dem Nachrichtenmagazin „profil“ an.Zugleich kritisierte er Frankreich scharf für die Roma-Massenabschiebungen: „Ich bin der Meinung, dass hier auf billige und durchsichtige Weise versucht wird, auf Kosten einer besonders verletzbaren Gruppe an Popularität zu gewinnen. Aber in Europa darf es keinen Raum für Rassismus und Fremdenfeindlichkeit geben.“Damit stellte sich Andor klar hinter seine Kollegin Viviane Reding. Der französische Präsident Nicolas Sarkozy steht wegen der französischen Abschiebepraxis innen- wie außenpolitisch unter Druck. Auf dem EU-Gipfel in Brüssel musste er sich am Donnerstag gegen heftige Vorwürfe der EU-Kommission und auch vieler Partnerstaaten wehren. Die EU-Kommission will deswegen ein Verfahren gegen Paris wegen Verletzung der EU-Verträge einleiten, Justizkommissarin Reding hatte die französische Politik als „Schande“ bezeichnet.Frankreich hat seit Anfang des Jahres mehr als 8.000 Rumänen und Bulgaren ohne Bleiberecht in ihre Heimatländer zurückgebracht. Die meisten von ihnen werden der Minderheit der Roma zugerechnet. Auch andere EU-Länder üben eine derartige Praxis, wenn auch in geringerem Ausmaß.Die bulgarische Regierung verteidigte unterdessen die umstrittene Rückführung von Roma aus Frankreich. Das Recht auf Freizügigkeit bedeutet kein Recht auf freie Niederlassung“, sagte Außenminister Nikolaj Mladenow am Samstag dem Staatsradio. Frankreich habe einen „vollen rechtlichen Grund“ für die Roma-Ausweisungen. Bisher wurden rund 40 bulgarische Roma aus Frankreich ausgewiesen. Die überwältigende Mehrheit der etwa 8.000 ausgewiesenen Roma stammt aus Rumänien. Rund 200 Roma protestierten am Samstag vor der französischen Botschaft in Sofia. Sie übergaben ein Schreiben an Sarkozy mit der Forderung, die „Ausweisung von Bürgern anderer EU-Staaten nach ihrer ethnischen Zugehörigkeit einzustellen“. „Europa ist mit uns!“, riefen die Demonstranten immer wieder. Auf Spruchbändern stand u.a. der Slogan der französischen Revolution „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“.Der Dachverband Union der Roma in Spanien (IRU) will Paris beim Europäischen Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg anklagen. „Wir verleihen unserem Kummer und unserer Enttäuschung Ausdruck, weil die europäischen Verantwortungsträger beim EU-Gipfel nicht den nötigen Mut hatten, den französischen Präsidenten zurecht zu weisen“, hieß es in der Aussendung. Ein Rundschreiben des französischen Innenministers Brice Hortefeux, mit dem ausdrücklich die Räumung der Roma-Lager angeordnet wurde, bezeichnete die IRU als „eine rassistische, verfassungswidrige, anti-europäische, unmenschliche Maßnahme mit klar nazistischer Konnotation“.apa