Sonntag, 26. Mai 2019

EU-Wahl: In Deutschland schlug offenbar der Rezo-Effekt zu

In Deutschland scheint der Rezo-Effekt bei der EU-Wahl voll zugeschlagen zu haben: „Wählt nicht die CDU/CSU, wählt nicht die SPD“, forderte Deutschlands mittlerweile bekanntester YouTuber kurz vor der Europawahl. Erste Wahlanalysen zur Pleite der Parteien der Großen Koalition zeigen, dass vor allem junge Wähler der Forderung gefolgt zu sein scheinen.

„Danke Rezo! Vielleicht ändert sich was“ Der deutsche Youtuber fand in den letzten Tagen viel Zuspruch bei der jungen Bevölkerung Deutschlands, wie hier in Berlin.
„Danke Rezo! Vielleicht ändert sich was“ Der deutsche Youtuber fand in den letzten Tagen viel Zuspruch bei der jungen Bevölkerung Deutschlands, wie hier in Berlin. - Foto: © APA/AFP

Der ARD zufolge landete die Union bei den 18- bis 24-Jährigen bei nur noch elf Prozent, die SPD sogar nur bei acht Prozent. „Die Zerstörung der CDU“ heißt der knapp einstündige Film, mit dem der ansonsten vor allem für lockere Unterhaltung stehende YouTuber Rezo die Debatten in der Woche vor der Europawahl dominierte. Bis Sonntag klickten den Film rund elfeinhalb Millionen Nutzer an. Der nachgeschobene Aufruf von über 90 der führenden deutschen YouTuber, die GroKo-Parteien und auch die AfD nicht zu wählen, sahen mittlerweile fast drei Millionen Menschen.

Die Union musste am Sonntag einräumen, keine Antwort auf die Pauschalkritik des YouTubers an jahrelanger CDU/CSU-Regierung gefunden zu haben. „Ja, auch wir haben bei dieser Wahlkampagne Fehler gemacht, auch das muss gesagt werden“, räumte CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer ein, freilich ohne den Namen Rezo zu sagen.
Ihr Generalsekretär Paul Ziemiak kündigte an, nach der Wahlanalyse Schlüsse ziehen zu wollen. „Es wird auch um die Frage gehen, wie kommuniziert eigentlich eine moderne CDU.“ Und CSU-Chef Markus Söder, der in Bayern selbst durch das Volksbegehren unter dem Motto „Rettet die Bienen“ vorgeführt wurde, will nun „wieder jünger, cooler, offener“ werden.

„Zerstörende Klimapolitik durch die Regierungsparteien“

Rezo beklagte in seinem Video soziale Ungerechtigkeiten und vor allem eine seiner Meinung nach die Zukunft der Erde und damit der jungen Menschen zerstörende Klimapolitik durch die Regierungsparteien und hier vor allem CDU/CSU. Und damit traf er wie die Schülerstreiks des Aktionsbündnis Fridays for Future genau den Nerv der Wähler.

Laut der Infratest-dimap-Analyse für die ARD waren Klima- und Umweltschutz klar das wichtigste Thema. Dies sagten 48 Prozent der Wahlberechtigten und damit 28 Prozent mehr als bei der Europawahl 2014.

Gerade bei den jungen Menschen scheinen CDU und CSU aber keine Kompetenz mehr zugeschrieben zu bekommen, die Probleme zu lösen. Nur elf Prozent der 18- bis 24-Jährigen wählten laut ARD die Union, nach der ZDF-Analyse für die Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen waren es dort ähnlich niederschmetternde 13 Prozent.

Die Grünen bei den jungen Wählern die stärkste Kraft 

Bei den 18- bis 29-Jährigen waren dem ZDF zufolge die Grünen mit 29 Prozent Zustimmung die klar stärkste Kraft und doppelt so stark wie CDU/CSU. Eine Pleite, die der von Rezo geforderten „Zerstörung der CDU“ zumindest als Volkspartei für junge Wahlberechtigte ziemlich nahe kommt.

Rezo verzichtete am Wahltag zunächst auf eine Reaktion auf das Wahlergebnis. Dafür veröffentlichte er ein neues Video. „Heute gibt es mal wieder ein Unterhaltungsvideo“, schrieb er mit einem Smiley versehen.

Der Beitrag heißt „Schockball Challenge“, ein ziemlich alberner Film, in dem er sich mit einer anderen YouTuberin einen leichte Stromschläge verteilenden Ball hin- und herwirft. Solche Beiträge sind eigentlich typisch Rezo – dennoch dürften die Parteien nun deutlich ernster nehmen, wenn er und andere YouTuber sich politisch äußern.

apa/afp

stol