Donnerstag, 14. November 2019

Euregio: Klima, Sicherheit und Jugend

Der Euregio-Vorstand hat in seiner ersten Sitzung unter Nordtiroler Vorsitz am Donnerstag das Regierungsprogramm genehmigt und vorgestellt. Das Ziel: Die Euregio soll der Bevölkerung immer mehr Nutzen bringen.

In der tief verschneiten „Denkfabrik“ Alpbach im Bundesland Tirol einigten sich (v.l.) Maurizio Fugatti, Günther Platter und Arno Kompatscher auch auf mehr Zusammenarbeit beim Katastrophenmanagement.
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In der tief verschneiten „Denkfabrik“ Alpbach im Bundesland Tirol einigten sich (v.l.) Maurizio Fugatti, Günther Platter und Arno Kompatscher auch auf mehr Zusammenarbeit beim Katastrophenmanagement. - Foto: © Land Tirol/Sedlak

Die Bevölkerung wird die Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino besonders akzeptieren, wenn sie immer mehr auch deren Nutzen spürt. Dieses Ziel hat der Euregio-Vorstand mit dem Regierungsprogramm 2019-2021 vor Augen, das er am Donnerstag in Alpbach, Tirol, verabschiedet hat.

Bekanntlich hat das Land Tirol seit Oktober 2019 die Euregio-Präsidentschaft inne, deren Motto „Du bist Teil davon“ lautet.

Euregio-Präsident Landeshauptmann Günther Platter stellte mit seinen Amtskollegen Arno Kompatscher und Maurizio Fugatti das Euregio-Regierungsprogramm für die kommenden 2 Jahre im Congress Centrum in Alpbach vor.

Alpenquerender Verkehr und Klimaschutz als Themen

Das Programm umfasst 9 Kapitel mit insgesamt 51 konkreten Projekten, die von einer gemeinsamen Strategie zum alpenquerenden Verkehr am Brennerkorridor über einen nachhaltigen Klimaschutz bis hin zu Zivilschutz reichen.

Den größten Teil des Regierungsprogramms bildet das Kapitel Klimaschutz und Mobilität. Bis 2021 will die Euregio damit die Lebensqualität ihrer Bürgerinnen und Bürger steigern, die Wettbewerbsfähigkeit stärken und die Gemeinsamkeiten fördern und sichtbar machen.

Die Landeshauptleute aus Südtirol, Arno Kompatscher, und Trentino, Maurizio Fugatti sprachen von einem sehr ambitionierten, gemeinsam getragenen Programm.

Überregionales Öffi-Netz und Schiene stärken

Eines der strategischen Ziele ist laut Arno Kompatscher der Verkehr: „Wir wollen möglichst viel Güterverkehr reduzieren und auf die Schiene verlagern, uns aber auch beim Individualverkehr weiterentwickeln.“

Günther Platter berichtete, dass die Bevölkerung im Bereich Personennahverkehr besonders großes Interesse an einem gemeinsamen Ticket zeige, mit dem man unkompliziert in allen 3 Landesteilen reisen kann.

Kompatscher hatte dieses Euregio-Ticket unter seinem Vorsitz stark vorangetrieben. Nun positionierte sich Platter klar: „Es ist nicht mehr eine Frage des Ob, sondern nur mehr des Wie.“

Überregionale Fahrplaninformationen

Weitere Initiativen sind eine überregionale Fahrplaninformation, eine ganzheitliche Integration der Ticketsysteme der 3 Länder oder günstige Öffi-Angebote.

Ab Dezember 2019 wird die letzte Fahrplanlücke auf der Pustertalbahn mit einer zusätzlichen Verbindung zwischen Franzensfeste und Lienz geschlossen.

Neue Fahrzeuge auf der Brennerstrecke werden sowohl das österreichische wie das italienische Eisenbahnnetz befahren können: Damit dürfte ab 2021 die Brennerstrecke auch mit den Regionalzügen ohne Umsteigen passierbar sein.

Um den Transit am Brennerkorridor zu reduzieren, muss die Bahn effizienter werden: Der Ausbau der Zulaufstrecken und der Infrastruktur ist wesentlicher Bestandteil davon. Die Kontrollen auf der Straße werden verstärkt.

Besonders erfreut ist der ebenfalls anwesende Südtiroler Mobilitätslandesrat Daniel Alfreider über den „Schulterschluss der Euregio für die Wasserstoffoffensive, der auf dem gesamten Brennerkorridor ausgebaut werden soll.“

Länderübergreifendes Stromnetz

Ein Musterbeispiel für den spürbaren Nutzen der Euregio stellt in den Augen des Südtiroler Landeshauptmanns der bevorstehende Zusammenschluss der Stromnetze an Brenner und Reschen dar: „1919 wurde die schmerzvolle Grenze zwischen Tirol und Südtirol gezogen. Hundert Jahre danach überwinden wir sie im Stromsektor. Das wird sich auch praktisch spürbar auswirken. Vor allem aber ist es für unser Land von hoher symbolischer Bedeutung“, sagte Kompatscher.

Bereits Mitte 2020 soll die Brennerleitung wieder hergestellt sein. Die Reschenleitung wird Nauders-Haiming mit Glurns verbinden – dafür sollen 24 Kilometer Stromleitung in Südtirol und 1,5 Kilometer sowie ein Umspannwerk auf Tiroler Seite errichtet werden.

Länderübergreifender Katastrophenschutz

Platter sprach den Klimawandel an, der den Bevölkerungsschutz und die Bewältigung von Naturkatastrophen vor neue Aufgaben stelle: „Wir werden auch im Bereich Naturkatastrophenmanagement noch enger zusammenarbeiten.“

Der gemeinsame Euregio-Lawinenreport startet mit der Wintersaison 2020/21 in die zweite Saison. Bereits in der vergangenen Saison war die Seite 2,5 Millionen Mal aufgerufen worden. Neu entstehen soll eine Webseite mit dem Wetterbericht aller 3 Regionen.

Ein Schuljahr im Zeichen der Europaregion

Maurizio Fugatti richtet ein besonderes Augenmerk auf die Bereiche Ausbildung und Arbeitsplätze für Jugendliche: „Das Trentino setzt stark auf die Erfahrungen im dualen Aus- und Weiterbildungssystem, das wir in unserem Land nun entwickeln“, sagte der Landeshauptmann des Landes Tirol.

Dies spiegelt sich ebenfalls im Euregio-Programm wider: Zahlreiche Initiativen, die im Jugendbereich, in der Bildung, der Wirtschaft oder dem Arbeitsmarkt bereits bestehen, weiter daher fortgeführt beziehungsweise werden neue Impulse gesetzt.
Schließlich sieht Fugatti auch im Gesundheitsbereich viele Möglichkeiten, die Zusammenarbeit auszubauen.

lpa