Auslöser ist der Vorstoß Deutschlands, einen Euro-Sünder notfalls aus dem europäischen Währungsverbund auszuschließen. Berlin denkt nicht daran, nachzugeben - wohl auch, weil es nicht nur Kritik hagelt: „Wir haben nicht den Eindruck, dass die Diskussion zu Ende ist“, gibt sich die Bundesregierung fest entschlossen.Die Euro-Gruppe ist plötzlich kein in Stein gemeißelter, unumstößlicher Club mehr. Die größte Volkswirtschaft in Europa, die erst vor wenigen Jahren den Euro-Stabilitätspakt noch aufweichte, pocht nun auf schärfere Sanktionen bis hin zum Ausschluss eines Euro- Landes. Deutschland will die EU-Regeln einmal mehr ändern und das Fass erneut aufmachen. Der erst vor kurzem in Kraft getretene Lissabon-Vertrag steht schon zur Disposition. Jahrelanger, zäher Streit ist programmiert. Alle 27 EU-Länder müssten zustimmen.Losgetreten hat die Debatte der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble. Er hatte vor einer Woche Überlegungen für einen Europäischen Währungsfonds (EWF) als künftige Krisenfeuerwehr in der Euro-Gruppe vorgelegt. Kern seiner Ideen war, Nothilfen für hoch verschuldete Länder mit Strafen zu versehen, ihnen Stimmrechte zu entziehen und es zu ermöglichen, dass Euro-Sünder aus der Währungsunion rausfliegen.Ein paar Tage später legte die Kanzlerin nach. Es müsse künftig ein Vertragswerk geben, mit dem es als ultima ratio möglich sein müsse, ein Land aus dem Euro-Raum auszuschließen, wenn es die Bedingungen langfristig immer wieder nicht erfüllt: „Sonst kann man nicht zusammenarbeiten“, warb Angela Merkel für ein neues Instrumentarium, um auf drohende Staatspleiten reagieren zu können.„Das ist nicht der richtige Ansatz“, wetterte EU-Währungskommissar Olli Rehn in der „Süddeutschen Zeitung“. Das Problem bestehe vielmehr darin, „dass Sanktionsinstrumente erst aufgeweicht wurden und jetzt nicht richtig angewendet werden“. Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) Jean-Claude Trichet will sich nicht an Überlegungen beteiligen, ob und wie ein Euro-Land ausgeschlossen werden könnte. „Ich habe immer gesagt, dass ich keinen Kommentar zu absurden Hypothesen abgebe“, sagte er der französischen Zeitung „Le Point“.Kritische Stimmen kommen auch aus Paris und Madrid. Es gibt allerdings auch prominente Unterstützung. Notenbankchef Mario Draghi etwa: „Natürlich brauchen wir strengere Regeln“, sagte das EZB-Ratsmitglied. Die griechische Krise habe gezeigt, „dass wir unser System widerstandsfähiger machen müssen“.So lässt Merkel nicht locker. Zunächst wirbt sie bei möglichen Verbündeten. Die Niederländer und andere Nordeuropäer könnten dazu gehören. Es würden intensive Gespräche mit den anderen Ländern geführt, die Diskussion müsse fortgesetzt werden, heißt es trotzig. Angemerkt wird in Berlin, dass sich bisher noch kein Staats- und Regierungschef an der Debatte beteiligt habe.Das könnte schon beim Gipfel in der kommenden Woche in Brüssel der Fall sein. Dort dürfte es auch so ungemütlich werden für die Kanzlerin. Sie tritt bei Nothilfen für Griechenland gehörig auf die Bremse. Berlin, das den Großteil der Hilfen schultern müsste, sieht keinen Grund, schon in der kommenden Woche zu entscheiden - und steht mit dieser Position unter den Euro-Partnern zunehmend isoliert da.An der Heimatfront sind Milliardenhilfen für Athen ohnehin nicht populär. Auch innerhalb der Koalition gibt es Differenzen, etwa zur Frage finanzieller Hilfen des Internationalen Währungsfonds (IWF) für Griechenland. Diese lehnt Schäuble ab. Merkels Sprecher Ulrich Wilhelm sagt, die Regierung schließe eine Mithilfe des IWF nicht aus. Sollte aber eine Entscheidung nötig und der Zeitpunkt gekommen sein, werde die Regierung geschlossen auftreten. Allerdings, wiederholt Wilhelm gebetsmühlenartig: „Entscheidungen stehen nicht an.“dpa