Sonntag, 07. April 2019

Europawahl: Orban macht Wahlkampf vom Predigtstuhl herab

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban führt seinen Wahlkampf für die Europawahl Ende Mai auch von der Kirchenkanzel herab. „Die christliche Kultur ist der Quell aller Kraft“, erklärte der rechts-nationale Politiker am Sonntag, nachdem er anlässlich der Weihe einer reformierten (calvinistischen) Kirche in Budapest den Predigtstuhl erklommen hatte.

Viktor Orban
Viktor Orban

Die christliche Kultur sei „jener Schlussstein, der das Gebäude der europäischen Zivilisation zusammenhält“, fügte er hinzu.

Orban und seine Fidesz-Partei haben die Europawahl zu einer „Schicksalswahl“ stilisiert. Angeblich gehe es bei dem Urnengang um die „Zukunft der europäischen Zivilisation“. Diese werde durch die „Masseninvasion“ muslimischer Migranten und durch die angeblich migrationsfördernde Politik der „Brüsseler Eliten“ in ihrer Existenz bedroht.

Die Fidesz-Partei gehört der konservativen Parteienfamilie der Europäischen Volkspartei (EVP) an. Wegen ihrer EU-feindlichen und xenophoben Politik und Rhetorik hatte die EVP im Vormonat die Mitgliedschaft der Fidesz-Partei vorläufig ausgesetzt.

Seit dem politischen Aufstieg Orbans in den späten 1990er-Jahren ist es in Ungarn üblich, dass Pfarrer sowohl der katholischen als auch der reformierten Kirche von der Kanzel herab Wahlkampf für Orban machen.

Viele jener Christen, die nicht mit Orban sympathisieren, empfinden das als Missbrauch ihrer Religion.

dpa

stol