Sonntag, 10. Januar 2021

Evangelische Theologen wollen begleiteten Suizid ermöglichen

Mehrere Vertreter der evangelischen Kirche werben für die Möglichkeit eines begleiteten professionellen Suizids in kirchlich-diakonischen Einrichtungen. Das berichtet die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) unter Berufung auf eine Stellungnahme, zu deren Unterzeichnern unter anderem der hannoversche Landesbischof Ralf Meister und der Präsident der Diakonie, Ulrich Lilie, gehörten. Die Landeskirche Hannover bestätigte die Stellungnahme, die die Zeitung am Montag in voller Länge veröffentlicht, am Sonntag.

Das Recht auf Selbstbestimmung solle respektiert werden, meinen evangelische Theologen in Deutschland.
Das Recht auf Selbstbestimmung solle respektiert werden, meinen evangelische Theologen in Deutschland. - Foto: © APA (dpa/Archiv) / Sebastian Kahnert
Dem „FAZ“-Bericht zufolge fordern die Theologen, dass kirchliche Einrichtungen zwar eine bestmögliche medizinische und pflegerische Palliativversorgung sicherstellen sollen, sich dem freiverantwortlichen Wunsch einer Person, ihrem Leben mit ärztlicher Hilfe ein Ende zu setzen, aber nicht verweigern dürften.

„Leider gibt es im Umgang mit Suizidenten durch die Kirche eine lange Schuldgeschichte“, zitiert die Zeitung die Stellungnahme. Heute gebiete es dagegen der „aus dem christlichen Glauben entspringende Respekt vor der Selbstbestimmung“, dem Sterbewilligen Beratung, Unterstützung und Begleitung anzubieten. Kirchliche Einrichtungen müssten daher Orte sein, in denen sich Menschen auf „sichere und nicht qualvolle Weise“ das Leben nehmen könnten.

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, betonte in einer Reaktion auf das Schreiben, es gehe bei der Suizidbeihilfe nicht allein um sterbende Menschen. Auch „lebenssatte, einsame, pflegebedürftige oder psychisch erkrankte Menschen“ hätten ein Recht auf Hilfe zur Selbsttötung. „Es wird also vom höchsten Interesse sein, wie Tausende Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser in protestantischer Trägerschaft die Suizidbeihilfe organisieren wollen“, sagte Brysch.

Für die Beschäftigten sei das eine unerträgliche Zumutung. „Es wird Zeit, dass sich die evangelischen Kirchen in Deutschland in aller Breite dieser Diskussion stellen. Dann wird auch klar, ob die Vorschläge mehrheitsfähig und verantwortungsbewusst sind“, sagte Brysch.

dpa