Doch was weiß man eigentlich über die ehemalige First Lady Syriens? Beginnen wir von vorne: Asma al-Akhras wurde 1975 in Acton (West-London) geboren. Ihre Eltern Fawaz und Sahar Akhras, syrische Sunniten, hatten ihre Heimat in den 1950er-Jahren verlassen. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1108038_image" /></div> <BR /><BR />Der Vater machte sich in den darauffolgenden Jahrzehnten unter Londons Kardiologen einen Namen, ihre Mutter war vor dem Umzug im diplomatischen Dienst Syriens tätig. Kurz: Die Familie gehört der gebildeten syrischen Oberschicht Großbritanniens an. <BR /><h3> Eine privilegierte, sehr britische Kindheit</h3>Asma durchlebt eine privilegierte, sehr britische Kindheit. In der örtlichen Schule und später auf dem feinen Queen’s College für junge Damen in London wurde sie „Emma“ gerufen. In den Ferien ging es heim nach Syrien. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1108041_image" /></div> <BR /><BR />Den 10 Jahre älteren Baschar al-Assad lernte Asma angeblich Anfang der 1990er Jahre in London kennen (andere Quellen sprechen von einer von den Familien arrangierten Ehe). Der syrische Präsidentensohn studierte dort Augenheilkunde. In einem Interview sagte er damals, dass er deshalb Augenarzt werden wolle, weil es eine sehr präzise Arbeit sei, selten zu einem Notfall komme und nicht sehr blutig ablaufe.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1108044_image" /></div> <BR /><BR />Baschar hatte ein Leben als Mediziner vor Augen. In die Fußstapfen des Vaters Hafiz al-Assad sollte sein 3 Jahre älterer Bruder Basil treten. Dieser war seit seiner Kindheit auf die Nachfolge vorbereitet worden. Genauso wie das syrische Volk. Basil, zu dessen Hobbys Reiten und schnelles Autofahren zählten, leitete den präsidialen Sicherheitsapparat. Der Major, Ingenieur und Fallschirmspringer inszenierte sich bei offiziellen Anlässen oft in kompletter Militäruniform. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1108047_image" /></div> <BR /><BR />Doch an die Macht kam Basil nie: Er starb Anfang 1994 bei einem Autounfall. Auf nebliger Autobahn sei der designierte Nachfolger des syrischen Präsidenten gegen eine Barriere gefahren und habe sich dabei mehrmals überschlagen, zitierte die Associated Press Personen aus dem Umfeld der Familie. Und so musste Baschar 1994 nach Syrien zurückkehren. <h3>Eine weltoffene Investment-Bankerin</h3>Mit Asma hielt er weiterhin Kontakt. Die Muslima studierte Informatik am Kings College in London und wurde von ihren Professoren als aufgeschlossen und „kein bisschen traditionell“ beschrieben. Später arbeitete sie als Investment-Bankerin in der Deutschen Bank und bei JP Morgan. Dabei reiste sie zwischen London, Paris und New York. <BR /><BR />2000, Asma war 25, heiratete das Paar. Als sie nach Syrien gezogen war, schnallte sie sich erst einmal den Rucksack um und reiste inkognito durch das Land, das sie nur aus ihren Schulferien kannte. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1108050_image" /></div> <BR />300 Dörfer soll sie besucht haben – und sie soll sich einen Plan zurechtgelegt haben wie sie Syrien besser machen kann. Später engagierte sich die dreifache Mutter – Sohn Hafez ist nunmehr 23 Jahre alt, Tochter Zein 21 und Sohn Karim 20 – für Wohltätigkeitsorganisationen und ermunterte junge Menschen, den Wandel in Syrien voranzutreiben. Sie sprach von „religiöser Harmonie“ und lebte diese vor: Sie, Asma, entstammte einer sunnitischen Familie – er, Baschar, gehörte der schiitischen Minderheiten-Strömung der Alawiten an.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1108053_image" /></div> <BR /><BR /> Asma al-Assad war das moderne Gesicht Syriens, die Verteidigerin der Bürgerrechte. Und der Westen sah in ihr das Ideal einer arabischen Herrscherin: schön, gebildet, modern. <h3> „Arabischer Frühling“ macht alles anders</h3>Dies änderte sich 2011, als der „Arabische Frühling“ auch nach Syrien kam: In friedlichen Demonstrationen wurde ein Wandel gefordert. Doch Baschar al-Assad ließ die Proteste brutal niederschlagen.<BR /><BR /> Ein Bürgerkrieg brach aus, in dem mehr als eine halbe Million Menschen getötet und die Hälfte der Bevölkerung zu Vertriebenen wurde. Allein 2013 starben über 1000 Menschen in Syrien durch Giftgasangriffe.<BR /><BR />Um sich im Bürgerkrieg an der Macht zu halten, suchte Assad nicht nur beim Iran und der pro-iranischen Hisbollah-Miliz im Libanon Unterstützung, sondern auch bei Russland. Das Eingreifen Moskaus mit massiven Luftangriffen in Syrien hielt Assad lange an der Macht.<h3> Vase für 2802 Dollar, Schuhe für 4000 Dollar</h3>Und Asma? Sie gilt heute als Komplizin eines Diktators, der grausame Verbrechen an seinem Volk begangen hat. Während Menschen in ihrem Land verhungerten, erwarb Asma regelmäßig Luxusgüter für mehrere tausend Dollar. So kaufte sie beispielsweise eine Vase für 2802 Dollar oder Schuhe für 4000 Dollar. Dieser Lebensstil brachte ihr 2017 den Spitznamen „First Lady der Hölle“ ein.<BR /><BR /> Die Rolle als Reformerin hatte sie damals längst schon aufgegeben. Ihrem Mann hielt sie weiterhin die Treue, von den Taten des Regimes hat sie sich nie öffentlich distanziert. Dabei hatte sie auch ihre eigenen Kämpfe zu bestehen: 2018 wurde bei ihr Brustkrebs im Frühstadium diagnostiziert (2019 war Asma krebsfrei), im vergangenen Mai erkrankte sie an einer aggressiven Variante von Leukämie.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1108056_image" /></div> <BR />Seit der Nacht zum vergangenen 8. Dezember ist in der Welt von Asma alles anders: Die Rebellen haben die Hauptstadt Damaskus erobert; die brutale Herrschaft von Baschar al-Assad ist vorbei. Russischen staatlichen Nachrichtenagenturen zufolge ist Asma al-Assad mit ihrem Mann aus Syrien geflohen und hat in Moskau Zuflucht gefunden. Der Kreml hat die Anwesenheit des Paares und ihrer Kinder nicht bestätigt. <h3> Wie reich ist der al-Assad-Clan wirklich?</h3>Die „Financial Times“ hat sich eingehend mit Assads Vermögen beschäftigt und will herausgefunden haben, dass die Großfamilie mindestens 20 Luxuswohnungen in 2 Wolkenkratzern in Moskau besitzt. <BR />Wie reich der Assad-Clan tatsächlich ist, lässt sich nicht seriös bestimmen. Das US-Außenministerium schätzt das Vermögen auf ein bis 2 Milliarden Dollar; die saudische Zeitung „Elaph“ berichtete außerdem, dass Baschar al-Assad 200 Tonnen Gold und Devisen im Wert von mehr als 21 Milliarden Dollar besitze. <BR /><BR />Mit im Ausland eingefrorenen Vermögenswerten soll die Familie laut „The Telegraph“ bis zu 105 Milliarden Dollar haben.