Dienstag, 10. Januar 2017

Ex-Forza-Italia-Funktionär: „Behaltet ihr die Beiden, dankt euch Italien“

Am heutigen Dienstag entschied ein Militärgericht in Thailand über das Schicksal von zwei jungen Südtirolern. Tobias Gamper und Ian Gerstgrasser wurde die Schändung der thailändischen Flagge vorgeworfen, ihnen drohte eine Gefängnisstrafe von bis zu zwei Jahren. Richtig so, findet Alessandro Bertoldi, ehemaliger Vizepräsident des Forza Italia-Ablegers in Südtirol.

Alessandro Bertoldi
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Alessandro Bertoldi

Bertoldi – 22 Jahre alt und seit jeher ein großer Befürworter von Silvio Berlusconi – wandte sich unmittelbar nach dem Bekanntwerden der Verhaftung der beiden Südtiroler in Thailand am Montagmorgen (STOL hat berichtet) in einem Offenen Brief an den thailändischen Botschafter in Italien. (Am Dienstag befand ein Militärgericht über das Schicksal der beiden Naturnser Ian Gerstgrasser und Tobias Gamper. Die aktuellen Entwicklungen lesen Sie hier.)

In dem Schreiben betont Bertoldi, die Tat der Südtiroler sei eine „niederträchtige Vorstellung“. „Ihr wurdet Opfer einer Beleidigung, die ihr nicht verdient habt.“ Und weiter: „Wahrscheinlich hätte ich Ihnen nie geschrieben, wenn sich die beiden jungen Männer nicht in zweifacher Hinsicht beleidigend verhalten hätten und wenn sie nicht Lügner wären.“

Die „zweifache Beleidigung“ und den „Lügner“-Vorwurf argumentiert Bertoldi folgendermaßen: Wie bekannt, hatten die beiden Vinschger Gamper und Gerstgrasser nach ihrer Verhaftung in einem Video um Verzeihung gebeten. Die Männer erklärten: „Wir kommen aus einem anderen Land. Dort ist die Flagge nicht so wichtig.“

Das wollte Bertoldi nicht so stehen lassen und ließ den Botschafter in seinem Brief wissen: „Ich kann Ihnen versichern, dass auch in Italien, wie Sie sicherlich wissen, die Flagge wichtig ist. (…) Sie ist auch für uns das wichtigste Symbol der Nation.“ Weiter führte er aus: „Ich kann ihnen versichern, dass die beiden nicht nur das thailändische, sondern auch das italienische Volk beleidigt haben.“

Wahrscheinlich, so schreibt Bertoldi, sei die Flagge nur für die beiden Männer nicht so wichtig – „und sie wird es nie sein, bis ihnen nicht jemand lernt, dass alle Flaggen wichtig sind und gewürdigt werden müssen“. Leider, so führt Bertoldi weiter aus, gebe es in der Provinz Bozen noch immer Personen, die ähnlich wie die beiden Naturnser denken und „wahrscheinlich gehören die beiden eben dieser extremen Gruppe an“.

Nun sei es nötig, dass die thailändische Justiz ihren Weg gehe und die beiden Männer für die Straftat bezahlten. „Diplomatische Höflichkeit“ sei hier nicht geboten, meint Bertoldi, denn „wenn ihr die beiden zu Respekt erzieht, dann erweist ihr auch Italien einen Dienst“. Bertoldi schließt den Brief mit den Worten: „Wenn ihr die beiden für eine Zeit lang bei euch behalten würdet, wären euch auch die Italiener ohne Zweifel dankbar.“

stol

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