Donnerstag, 23. Januar 2020

Ex-FPÖ-Chef Strache deutet DAÖ-Kandidatur an

Der frühere, inzwischen aus der Partei ausgeschlossene FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache hat am Donnerstagabend sein Antreten für die „Allianz für Österreich“ bei der Wien-Wahl in Aussicht gestellt.

H.C. Strache ließ si bei seinem Auftritt feiern.
H.C. Strache ließ si bei seinem Auftritt feiern. - Foto: © HANS KLAUS TECHT

Mit einer fixen Zusage wartete er bei seiner Rede beim DAÖ-Neujahrstreffen in den Sofiensälen jedoch noch nicht auf. Es müssten noch „Hausaufgaben“ gemacht und Gespräche geführt werden, so Strache.

Allerdings versprach der Ex-Vizekanzler dem zahlreich erschienen Publikum: „Ich lasse euch nicht im Stich.“ Sollte er sich für ein Antreten entscheiden, sei ein starkes Comeback in Wien möglich, zeigte sich Strache überzeugt. Auch die Umbenennung der von abtrünnigen FPÖ-Gemeinderäten gegründeten Partei in „Liste Strache“ schloss er nicht aus.

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„Wir brauchen eine neue Bürgerbewegung“, ließ er seine Fans wissen. Es sei „Zeit für etwas Neues“. Er versicherte, dass er bereit sei, um die politische Bühne wieder zu betreten: „Ich stehe weder für die Opferrolle noch für die Rolle als Dauersündenbock, weder für die FPÖ noch für meine politischen Gegner, zur Verfügung.“

„Habe Riesenfehler gemacht“

Strache, der mit seiner Frau Philippa erschienen war, bedankte sich in seiner knapp einstündigen Rede zunächst bei den DAÖ-Gründern Karl Baron, Dietrich Kops und Klaus Handler: „Ihr habt Mut und Charakter gezeigt mit eurem Schritt.“ Sie hätten bewiesen, dass sie für freiheitliche Werte wie Treue, Kameradschaft und Zusammenhalt einstünden: „Und so stehe ich heute hier, zurück auf der Bühne, zurück im politischen Geschehen als Gastredner.“

Vor 251 Tagen sei das politische Parkett für ihn noch Alltag gewesen. Heute hingegen sei ein derartiger Auftritt etwas „ganz besonderes“. Strache ging auch auf jenes in Ibiza aufgenommene Video ein, das ihn - jedenfalls vorübergehend - politisch zu Fall gebracht hatte. Ein „einziger Abendtermin“ im Jahr 2017, also vor seiner Zeit als Vizekanzler, habe sein Leben und „das weitere Prozedere der Republik“ auf den Kopf gestellt.

„Ja, ich habe einen Riesenfehler gemacht“, zeigte er sich reumütig: „Ich kann das alles weder rückgängig noch wieder gut machen.“ Er habe zu viel getrunken und „blöd geredet“. Man dürfe aber auch nicht vergessen, dass das Video „manipulativ“ zusammengeschnitten worden sei, „um mich entsprechend verleumderisch darzustellen“, hielt er fest.

„Fehler machen wir alle und zu Fehlern muss man auch stehen“, konstatierte Strache. Man müsse sich selbst verzeihen können und hoffen, dass auch andere dies tun. Zugleich werde er versuchen, den „Versuch der Verleumdung“ in Zusammenhang mit der Spesenaffäre aufzuklären. An seinen früheren Mitstreitern ließ er kaum ein gutes Haar. Die FPÖ habe im Umgang mit ihm „das Geschäft der Linken“ übernommen. Strache sprach von einer „Hetzkampagne“.

Er sei bitter enttäuscht, auch der Umgang mit seiner Frau - die Nationalratsabgeordnete wurde ebenfalls aus der FPÖ ausgeschlossen - sei „einfach hässlich“ gewesen. Der - laut Strache „seidenweich dahinrutschende“ - FPÖ-Chef Norbert Hofer und Ex-Innenminister Herbert Kickl hätten sich später bei der ÖVP angebiedert, um wieder in eine Regierung zu kommen und sich dann doch gegen Koalitionsverhandlungen entschieden. Dies bewertete Strache als „völlig absurden Vorgang“.

„Ich war 14 Jahre lang die FPÖ“

Der Ex-Vizekanzler, der noch vor nicht allzu langer Zeit seinen Rückzug aus der Politik verkündet hatte, erinnerte auch an seine Anfänge als Obmann: „Es war nicht die FPÖ, die mich übernommen hat, 2005 habe ich die Freiheitliche Partei übernommen.“ Diese sei eine leere Parteihülle mit Millionenschulden gewesen: „Ihr alle wisst, was ich aus dieser Hülle gemacht habe.“

Strache versicherte an dieser Stelle, dass er auch dafür gesorgt habe, dass „Nazi-Gesinnung und -Sprüche“ in der Partei nichts mehr verloren hätten: „Ich habe braune Flecken aus der Vergangenheit aufgearbeitet.“ In seinem Windschatten sei jedoch auch ein „aufgeblähter Parteiapparat“ mit hochgeschwommen. Auch die „Nepp-FPÖ“ in Wien habe von seinen Erfolgen gelebt. „Ich war 14 Jahre lang die FPÖ.“ Nun habe diese Partei jedenfalls Kopf, Herz und Seele verloren, „spätestens mit meinem Ausschluss“.

„Wenn ich mich wieder engagiere, dann an der Spitze einer Bewegung mit Menschen aus allen Schichten“, kündigte er an: „Meine Energiequelle ist eure Kraft.“ Jene, die in die Sofiensäle gekommen waren, muss er wohl nicht mehr überzeugen. Viele von ihnen nutzten anschließend die Gelegenheit für ein Foto mit dem einstigen Chef-Blauen. Ein Wiedersehen gibt es am 26. Februar. Für diesen Tag steht ein DAÖ-Aschermittwochstreffen mit Strache im Prater auf dem Programm.

apa