Scalfaro galt als moralische Instanz in Italien. Während seines Präsidentenamts brach der Korruptionsskandal „Mani Pulite“ (Saubere Hände) auf, der Italiens Politik zutiefst erschütterte.Zugleich musste er schwere Regierungskrisen in Italien bewältigen. Mit dem Linkspolitiker Massimo D'Alema hievte er erstmals einen Postkommunisten in den Sessel des Regierungschefs.Ruf des UnbestechlichenDer konservative Politiker aus den Reihen der Christdemokraten verstand es als Chef im Quirinalspalast, sich unabhängig von den Strömungen seiner zerstrittenen Partei zu halten und erwarb sich den in Italien raren Ruf eines Unbestechlichen.Eine Zeitung nannte den regelmäßigen Kirchgänger und weißhaarigen Grandseigneur, der oft mit weißem Schal auftrat, einmal einen „skrupellosen Moralisten“. Seit 1945 Witwer, ließ sich Scalfaro bei offiziellen Auftritten besonders im Ausland gern von seiner Tochter Marianna begleiten.Hilfsprogramme für inhaftierte Antifaschisten und PartisanenAm 9. September 1918 im norditalienischen Novara (Piemont) geboren, studierte Scalfaro an der katholischen Universität Mailand. Während des Zweiten Weltkriegs Krieges trat er politisch erstmals in Erscheinung, als er Hilfsprogramme für inhaftierte Antifaschisten und Partisanen organisierte. 1946 gehörte er der verfassungsgebenden Versammlung an.Schon unter dem Gründer der Christdemokratischen Partei, Alcide De Gaspari, rückte er in die DC-Spitze auf. Bis zu seiner Wahl zum Staatsoberhaupt im Mai 1992 gehörte Scalfaro dem Parlament an.Während seiner langen Regierungslaufbahn hatte der studierte Jurist unzählige Ministerämter in einem Dutzend Regierungen inne. In den 1950er Jahren übernahm er erstmals Regierungsverantwortung als stellvertretender Arbeitsminister. Seit den 1960er Jahren war er Ressortchef im Verkehrs-, im Unterrichts- (unter Giulio Andreotti) und im Innenministerium (unter Bettino Craxi).Nie ließ sich Scalfaro in die Freunderlwirtschaft der jahrzehntelang herrschenden Democrazia Cristiana verwickeln. Im April 1992 wurde er zum Präsidenten des Abgeordnetenhauses gewählt, einen Monat später – im 16. Wahlgang – zum Staatspräsidenten.apa