„Meiner Ansicht nach ist das Rennen entschieden – zugunsten von Obama“, sagte der Mannheimer Politikprofessor Thomas Gschwend. Zwar seien Überraschungen immer noch möglich. Dafür müsse aber schon einiges zusammenkommen.Obamas aktuellen Umfragevorsprung vor allem in den sogenannten Swing States könnte nur noch ein massiver Schub für Konkurrent Mitt Romney kippen. Wenn etwa nach Hurrikan „Sandy“ das Krisenmanagement nicht funktioniert hätte und viele Leute verärgert wären, hätte das entsprechende Auswirkungen haben können, sagte der Experte. Trotzdem stehe das Ergebnis noch nicht definitiv fest. „Es ist schwierig, dass es noch kippt, aber auch nicht ausgeschlossen.“Zugleich warnte Gschwend davor, Wahlumfragen – in den USA „Polls“ genannt – überzubewerten. „Alle Polls haben Schwächen“, erläuterte der Experte. „Das generelle Problem ist die Erreichbarkeit der Leute.“ Herkömmliche Umfragen stützten sich auf zufällig gezogene Nummern aus Telefonverzeichnissen. Inzwischen nutzten aber viele Leute ein Handy, und viele Mobilnummern tauchten in den Verzeichnissen überhaupt nicht auf. Das könne die Ergebnisse verzerren. Bislang hätten die Umfrageinstitute noch nicht die perfekte Methode gefunden, um diese Menschen zu erreichen.Ohnehin fragten die „Polls“ lediglich die aktuelle Stimmung ab. Im Wahlkampf gehe es aber darum, die Wähler an ihre ursprünglichen Neigungen zu erinnern. „Es kann durch kurzfristige Einflüsse schon eine Änderung geben, aber die fundamentalen Faktoren spielen immer eine Rolle“, sagte Gschwend. Wichtig seien etwa die Identifikation mit einer Partei und die wirtschaftliche Lage. Der Politikwissenschaftler rät daher zur Vorsicht: „Umfragen haben nichts mit Vorhersagen zu tun – das Wahlverhalten am Wahltag ist einfach eine andere Kiste.“Die einzelnen Umfragewerte seien „ziemlich wackelig“, gab Gschwend zu bedenken. Er tendiert denn auch eher zu übergeordneten Verfahren, in denen Forscher mehrere Einzelumfragen statistisch zusammenfassen. „Wir fragen im normalen Leben ja auch nicht nur einmal, sondern mehrfach.“dpa