Dienstag, 28. Januar 2020

Facebook löscht Salvinis Wahlkampf-Video

Der Onlinedienst Facebook hat ein Video von einem Wahlkampfbesuch des Chefs der rechtspopulistischen italienischen Lega, Matteo Salvini, bei dem er eine aus Tunesien stammende Familie verunglimpfte, gelöscht. Das Video, das diplomatischen Protest seitens der tunesischen Behörden in Rom ausgelöst hatte, ist nicht mehr auf Salvinis Facebook-Seite zu sehen.

Salvini wird „unannehmbares Verhalten“ und Rassismus vorgeworfen.
Salvini wird „unannehmbares Verhalten“ und Rassismus vorgeworfen. - Foto: © ANSA / GIORGIO BENVENUTI

Die Entfernung des Videos wurde am Dienstag von der italienischen Rechtsanwältin und Menschenrechtsaktivistin Cathy La Torre bekanntgegeben. Sie verteidigt einen gebürtigen Tunesier, an dessen Tür Salvini im Rahmen des Wahlkampfes für die Regionalwahlen in der norditalienischen Region Emilia Romagna geläutet und über die Sprechanlage gefragt hatte, ob der Mann Drogen verkaufe.

Bei einem Besuch in einem multikulturellen Viertel in Bologna hatten sich einige Einwohner beim Ex-Innenminister Salvini über Drogenhandel unter Jugendlichen beschwert. Nachdem ihm eine Frau einen Tunesier und dessen Sohn als Drogendealer gemeldet hatte, klingelte der Lega-Chef an der Haustüre der beiden. „Sind Sie ein Drogendealer?“, fragte Salvini per Sprechanlage. Eine männliche Stimme meldete sich kurz, Salvini bekam jedoch keine Antwort.

Heftige Proteste

Salvinis Aktion, die von Medien gefilmt wurde, hatte heftigen Protest ausgelöst. Das Video war auch auf Salvinis Facebook-Seite hochgeladen worden. Ein Ex-Innenminister könne nicht ohne Beweise jemanden des Drogenhandels beschuldigen, protestierte der Präsident der Anti-Mafia-Kommission im Parlament, Nicola Morra. Der Bürgermeister von Bologna, Virginio Merola, sprach von „unannehmbarem Verhalten“ Salvinis. Der Vizepräsident des tunesischen Parlaments, Osama Sghaier, warf Salvini „Rassismus“ vor.

Salvinis Lega hat bei der Regionalwahl am Wochenende in der Emilia Romagna einen Dämpfer erhalten. Die rechtspopulistische Kandidatin Lucia Borgonzoni unterlag gegen den sozialdemokratischen Amtsinhaber Stefano Bonaccini.

apa

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