Samstag, 16. Mai 2020

Fall Ischgl: Tiroler ÖVP kritisiert Skandalisierung und Heuchelei

Der scharfen Kritik der Opposition nach dem neuesten „profil“-Bericht in Sachen Ischgl hat die Tiroler ÖVP ebenso scharf gekontert. Klubobmann Jakob Wolf sprach in einer Aussendung von „Heuchelei“ und meinte: „Es ging der Opposition nie um eine sachliche Aufarbeitung, sondern ausschließlich um Skandalisierung“.

Ischgl war einer der Corona-Hotspots in Nordtirol.
Ischgl war einer der Corona-Hotspots in Nordtirol. - Foto: © APA (EXPA/JOHANN GRODER) / UNBEKANNT
„Die Menschen in Tirol sind dieser wahnhaften Suche nach Schuldigen für eine Pandemie, die die ganze Welt erfasst hat, aber längst überdrüssig“, erklärte Wolf. Die „Skandalisierungssucht“, die manche erfasst zu haben scheine, sei „nur mehr abstoßend“. Und Wolf teilte auch gegen „manche Medien“ aus, die „dieses Skandalisierungsspiel auch noch mit einer immer weniger auf Fakten, denn auf Mutmaßungen basierenden Berichterstattung antreiben“.

Der schwarze Klubchef sprach von einem „vorgespielten Interesse“ der Opposition an einer objektiven Aufarbeitung des Krisenmanagements des Landes. Die Arbeit der diese Woche eingesetzten unabhängigen Untersuchungskommission werde durch „ständige Vorverurteilungen und Schuldzuweisungen“ bereits vor deren Beginn torpediert. Dies zeige die wahre Absicht der Opposition: „In der Hoffnung parteipolitisches Kapital aus der Sache schlagen zu können, haben sich die Oppositionsparteien längst festgelegt: Tirol muss schuld sein, koste es was wolle.“

Tiroler Behörden sollen Ministeriums-Erlass missachtet haben

In der Causa Ischgl wartete das „profil“ mit neuen Vorwürfen gegen die Tiroler Behörden auf. Das Land bzw. die zuständige BH Landeck sollen einen Erlass des Gesundheitsministeriums von Ende Februar missachtet haben, wonach alle engen Kontaktpersonen von Corona-Infizierten per Bescheid für 14 Tage in Heimquarantäne zu schicken sind. Das Land wies jede Missachtung von sich.

Die Heimquarantäne wäre laut dem Erlass unabhängig davon fällig gewesen, ob die betreffenden Personen Symptome zeigen oder nicht. Dies hätte somit alle engen Kontaktpersonen jener 14 Isländer betroffen, die nach ihrer Rückkehr aus Tirol positiv auf das Coronavirus getestet worden waren und über die die Tiroler Behörden am 5. März informiert wurden. Eben diese Unter-Quarantäne-Stellung sei aber nicht geschehen, so das „profil“ am Samstag in seiner Online-Ausgabe.

Der Erlass sei am 29. Februar vom Gesundheitsministerium direkt an die Büros der Landeshauptleute verschickt worden. Betreff: „Behördliche Vorgangsweise bei Kontaktpersonen“. Wer in einem geschlossenen Raum näher als zwei Meter mit einem Corona-Infizierten zusammenkam, mit ihm ein Gespräch führte, ihm die Hand schüttelte oder ihn küsste, habe dem Erlass gemäß schon damals als „Kontaktperson mit hohem Infektionsrisiko“ gegolten. Bei zeitgleichen Corona-Fällen im Salzburger Pongau und im Kärntner Bad Kleinkirchheim sei der Erlass sehr viel ernster genommen worden.

Ein Sprecher des Landes erklärte indes gegenüber „profil“, dass „der Erlass des Gesundheitsministeriums seitens der Tiroler Gesundheitsbehörden stets eingehalten wurde“. In den betroffenen Hotels sei lediglich eine Mitarbeiterin mit grippeähnlichen Symptomen in Quarantäne geschickt und getestet worden. „Bei allen anderen MitarbeiterInnen dieser Hotels gab es keine Hinweise auf eine Coronaerkrankung“, hieß es. Das Land kündigte unterdessen gegenüber der APA noch für den Samstag eine ausführlichere Stellungnahme an.

Ausnahmen bei der Isolierung von Kontaktpersonen wären laut dem Bericht nur nach ausdrücklicher Genehmigung durch das Gesundheitsministerium möglich gewesen. Das Gesundheitsministerium erklärte dazu, dass sich die Bezirkshauptmannschaft Landeck oder das Land Tirol in diesem Zusammenhang nicht an das Ministerium gewandt haben.

Laut dem Nachrichtenmagazin reagierte jedoch auch der Bund in Sachen Ischgl zu spät. Drei Tage nach den ersten Warnungen aus Island, die an Tirol weitergeleitet wurden, seien weitere warnende Mails aus Dänemark und Norwegen eingegangen. Das Gesundheitsministerium verwies in diesem Zusammenhang auf den SKKM-Krisenstab (Staatliches Krisen- und Katastrophenschutz-Management) im Innenministerium. In der zentralen Krisenkoordinationsstelle, in der Sicherheitsexperten, Ministeriumsvertreter und die Bundesländer jeden Tag konferieren, sei auch Tirol ein Thema gewesen. Die Lage dort sei „wie mit allen anderen Bundesländern in der täglichen Videokonferenz besprochen worden“, so das Ministerium. Die Warnungen aus Skandinavien wurden den Recherchen zufolge zwar im Krisenstab vermerkt, aber zunächst noch keine Maßnahmen ergriffen.



apa