Am 25. April erinnert Italien jedes Jahr an die Befreiung vom Faschismus. Dass genau zu diesem Zeitpunkt der Regionalrat in Trient eine klare Positionierung gegen den Faschismus beschließen muss, ist bezeichnend. Und es ist alles andere als selbstverständlich – leider.<BR /><BR />Eigentlich dürfte es eine solche Debatte im Jahr 2026 gar nicht mehr geben. Die Ablehnung des Faschismus sollte keine Frage parteipolitischer Mehrheiten sein, kein Gegenstand taktischer Abwägungen. Sie müsste längst unumstrittener demokratischer Konsens sein. Dass sie es offenbar noch immer nicht ist, sagt viel über den Zustand der politischen Kultur in Italien aus.<BR /><BR /><embed id="dtext86-74485566_quote" /><BR /><BR />Der Beschluss des Regionalrates ist richtig. Er ist notwendig. Und gleichzeitig ernüchternd. Denn er macht deutlich, dass faschistische Relikte, Symbole und Verharmlosungen nach wie vor existieren – nicht nur im öffentlichen Raum, sondern auch im öffentlichen Bewusstsein.<BR /><BR /> Die Forderung nach der Aberkennung von Ehrenbürgerschaften für Benito Mussolini ist dabei kein nebensächlicher Akt. Sie ist überfällig. Wer an Demokratie glaubt, kann einem Diktator keine Ehrungen belassen – weder aus Bequemlichkeit noch aus falscher Rücksichtnahme.<BR /><BR /><embed id="dtext86-74485567_quote" /><BR /><BR />Gerade für Südtirol sollte diese Frage glasklar sein. Kaum ein anderes Gebiet hat den Faschismus so unmittelbar und brutal erlebt. Die systematische Unterdrückung der deutschen und ladinischen Sprache, das Verbot deutscher Schulen, die erzwungene Italianisierung – das war gezielte Politik. Identität wurde ausgelöscht, Zugehörigkeit negiert, kulturelle Vielfalt bekämpft.<BR /><BR />Und dennoch: Während viele andere europäische Länder eine klare, gesellschaftlich breit getragene Auseinandersetzung mit totalitären Regimen längst abgeschlossen haben, wird in Italien noch immer relativiert, verharmlost und blockiert. Man diskutiert über Begriffe, über Formulierungen, über Kontexte. Doch Demokratie braucht keine Ausreden. Sie braucht Klarheit. Und sie braucht Erinnerung – nicht als Ritual, sondern als Verpflichtung.<BR /><BR /><embed id="dtext86-74485568_quote" /><BR /><BR />Es kann und darf keine Grauzonen geben, wenn es um Faschismus geht. Keine Nostalgie. Keine Instrumentalisierung. Keine Gleichgültigkeit. Wer Demokratie ernst nimmt, muss auch ihre Gegner klar benennen – und verurteilen.<BR /><BR />Der Beschluss des Regionalrates ist ein Signal. Ein wichtiges, aber ein spätes. Das eigentliche Ziel muss sein, dass solche Signale eines Tages nicht mehr nötig sind. Weil die Ablehnung des Faschismus dann endlich das ist, was sie immer sein sollte: selbstverständlich.