Mittwoch, 09. November 2016

Faschistische Ortsnamen: Antrag teilweise angenommen

Die Landtagsabgeordneten der Süd-Tiroler Freiheit haben im Landtag einen Antrag bezüglich der faschistisch geprägten Orts- und Flurnamen in Südtirol eingebracht. Am Mittwoch wurde der Antrag teilweise angenommen.

Badge Local
Foto: © D

Der Antrag enthielt folgende Punkte:

1. Der Südtiroler Landtag bekennt sich zur Position der Vereinten Nationen aus dem Jahr 1985, laut der aufgezwungene Namen einen „kulturellen Übergriff und Aggressionsakt“ darstellen.

2. Der Südtiroler Landtag begrüßt die historisch fundierte Mehrsprachigkeit in der Südtiroler Orts- und Flurnamengebung.

3. Der Südtiroler Landtag missbilligt jede Initiative, mit der die Wissenschaft, insbesondere die Sprachwissenschaft, für politische Zwecke instrumentalisiert wird.

4. Der Südtiroler Landtag missbilligt Versuche, faschistische Orts- und Flurnamen als entfaschistisiertes Kulturgut zu reinterpretieren.

5. Der Südtiroler Landtag beauftragt den Landtagspräsidenten, den vorliegenden Beschlussantrag denselben Institutionen zur Kenntnis zu bringen, denen der Appell der „Accademia della Crusca“ zugeschickt wurde (dem italienischen Staatspräsidenten, sämtlichen Institutionen der italienischen Regierung und des italienischen Verfassungsgerichts). 

Sven Knoll von der Süd-Tiroler Freiheit bezog sich in der Begründung zu seinem Antrag auf den Appell der „Accademia della Crusca“ für den Erhalt der so genannten italienischen Toponomastik in Südtirol, der auch an den Staatspräsidenten gerichtet wurde. “Die Initiative der Vertreter der „Accademia della Crusca“ ist leicht zu durchschauen: Es handelt sich um den Versuch, die tolomeisch-faschistische Orts- und Flurnamengebung in Südtirol, nicht nur politisch, sondern nunmehr wissenschaftlich zu rechtfertigen”, erklärte Knoll.

Alessandro Urzì  von L’Alto Adige nel cuore stellte fest, dass sich Namen in der Geschichte entwickeln und verändern. Es sei nicht sinnvoll, das Rad zurückzudrehen.

Man müsse feststellen, dass Unrecht geschehen sei, erklärte daraufhin Dieter Steger (SVP). Aber man bemühe sich gerade um eine politische Lösung in dieser Frage. Eine rein historische Lösung sei unrealistisch.

Die angepeilte Lösung sei ein Kompromiss, der akzeptabel sei und mit dem man das Thema abschließen könne. Es sei Zeit für einen Abschluss. Einige Forderungen des Antrags seien durchaus unterstützenswert, und es sei richtig, wenn auch der Landtag seine Position dem Staatspräsidenten klar mache. Steger forderte eine getrennte Abstimmung zu einzelnen Teilen des Antrags.

Die Prämissen des Antrags wurden mit 9 Ja, 19 Nein und 1 Enthaltungen abgelehnt.

Der erste Punkt wurde mit 12 Ja, 16 Nein und 1 Enthaltung abgelehnt, die anderen wurden mit 23 Ja, 6 Nein und 1 Enthaltung angenommen.

stol

stol