Nachdem die Bozner Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen Herabwürdigung bzw. Verunglimpfung eingeleitet hat, schließt das Carabinieri-Kommando in Rom eine Sammelklage nicht aus. Theoretisch könnte sich dann jeder Carabinieri-Beamte auf gesamtstaatlicher Ebene der Anzeige anschließen. Auf den Barrikaden sind – allen voran – Justizminister Angelino Alfano und Verteidigungsminister Ignazio La Russa. Beide kündigten Konsequenzen an. Klagen angekündigtErmittelt wird derzeit gegen drei Vertreter der Bewegung: Eva Klotz, Sven Knoll und Werner Thaler.Stein des Anstoßes ist ein Plakat mit der Aufschrift „1961- 2011 Feuernacht – Folternächte“, auf dem eine Carabinieri-Mütze neben einer Blutlache abgebildet ist. Während es laut „Südtiroler Freiheit“ erwiesen sei, dass die Südtirol-Aktivisten in den sechziger Jahren während der Verhöre gefoltert wurden, stellen die Carabinieri dies in Abrede. Während Alfano angekündigt hat, weiterführenden Ermittlungen „grünes Licht“ geben zu wollen, will La Russa die Bewegung von Klotz und Knoll verklagen. Dass es zu einer Beschlagnahme der „Feuernacht“-Plakate kommt, ist nicht ausgeschlossen. Knoll spricht von einer „Schande für Italien“ Die „Südtiroler Freiheit“ selbst bewertet die Vorgänge als „Schande für Italien“. „Wer eine historische Wahrheit einfach leugnet und mit Verbotsforderungen und juridischer Verfolgung darauf reagiert, um mit allen Mitteln zu verhindern, dass die Wahrheit ausgesprochen wird, muss ein sehr schlechtes Gewissen haben“, schreibt Knoll in einer Presseaussendung am Donnerstag. Die Bewegung sehe der „angekündigten Prozesslawine“ vonseiten der Carabinieri und einem möglichen Verbot der Bewegung „gelassen“ entgegen, so Knoll und verweist darauf, dass es unzählige Zeitzeugen gebe, die eine Aussage tätigen könnten. Stocker: "Leugnen der Folterungen kommt einer Provokation gleich" Stocker: "Leugnen der Folterungen kommt einer Provokation gleich" Auch Regionalassessorin Martha Stocker reagierte empört über die Äußerungen einiger lokaler Politiker des italienischen rechten Lagers, wonach es keine Folterungen gegeben habe. Diese Nichtanerkennung offensichtlich historischer Fakten zeige die eindeutig einseitige Geschichtsinterpretation vonseiten der Rechtspolitiker auf. „Zudem werden jene, die diese Folterungen über sich ergehen lassen mussten und bis zum heutigen Tag an den Folgen leiden, der Lüge bezichtigt: dies ist eine weitere Demütigung für diese, eine glatte ‚Watsch’n‘. Jene, die diese Folterungen leugnen, müssen sich bewusst sein, dass sie sich damit auf die Seite der Folterknechte stellen. Wer einigermaßen historisch belesen ist, weiß auch in welchem politischen Klima sich die Verhandlungen abgespielt haben und unter welchem politischen Druck die Richter damals standen“, so Stocker. stol