Einige Abgeordnete um den Fini-Anhänger Silvano Moffa kündigten am Montag an, sie wollten im Gegensatz zu den Parteirichtlinien für die Regierung Berlusconi stimmen. Damit kann Premierminister Silvio Berlusconi auf Rettung hoffen.Nach Angaben politischer Beobachter ist am Tag vor der entscheidenden Vertrauensabstimmung in beiden Kammern des Parlaments die politische Situation noch durchaus unklar. Laut der römischen Tageszeitung „La Repubblica“ werden 313 Abgeordnete in der Kammer am Dienstag gegen das Vertrauen stimmen und 311 dafür, wobei sich drei noch unsicher seien. Auch mit Abwesenheiten sei zu rechnen. Um weiter zu regieren, muss Berlusconi mindestens 316 Stimmen in der Abgeordnetenkammer erhalten. Im Senat verfügt Berlusconi über eine solidere Mehrheit.Die Oppositionsparteien warnten erneut vor Postenschacher in der Politik. Einige für das Ergebnis der Abstimmung entscheidenden Abgeordneten seien durch Bestechung zum Parteiwechsel gedrängt worden, behaupteten Parlamentarier der Opposition.Lega Nord-Chef Umberto Bossi, drängt auf vorgezogene Parlamentswahlen. „Mit einer Stimme mehr kann man nicht regieren, die einzige Lösung sind Neuwahlen“, meinte Bossi. Ein technisches Kabinett unter der Führung von Wirtschaftsminister Giulio Tremonti, wie sie Fini vorschlägt, hält Bossi für unrealistisch. „Tremonti ist nicht blöd, er will in einer derartigen Situation bestimmt nicht regieren. Nur der verrückte Berlusconi kann es tun“, sagte Bossi im Gespräch mit Journalisten.