Freitag, 14. Mai 2021

Flashmob zum Erdüberlastungstag: „Wir sind schon lange 'überdrüber!'“

Am Donnerstag hat auf den Talferwiesen in Bozen der Höhepunkt der Überdrüber-Aktionswoche der Organisation für Eine solidarische Welt (OEW) stattgefunden.

Die Überdrüber-Aktionswoche soll Passanten  dazu auffordern, ihr Konsumverhalten zu reflektieren.
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Die Überdrüber-Aktionswoche soll Passanten dazu auffordern, ihr Konsumverhalten zu reflektieren. - Foto: © Anna Mayr
Ein Tanz-Flashmob und humorvolle Gadgets - bedruckte Klopapierrollen, die als Infoflyer dienen und Tipps und Tricks für einen ressourcenschonenden Alltag liefern - regten Passanten dazu an, ihr Konsumverhalten zu hinterfragen.

Würden alle Menschen so leben wie in Italien, wären am gestrigen Donnertag, dem sogenannten italienischen Erdüberlastungstag, bereits alle global verfügbaren Ressourcen verbraucht, die innerhalb eines Jahres erneuert werden können. In den vergangenen 40 Jahren hat sich der weltweite Verbrauch dessen, was die Natur liefert, verdreifacht.

Der Lebensstandard in Italien und somit der nationale Ressourcenverbrauch sei sogar so hoch, dass es 2,76 Planeten bräuchte, um des ökologischen Fußabdruck auszugleichen und der Umwelt die nötige Schonzeit zu verschaffen, sich von Ausbeutung und Verschmutzung zu erholen. „Die Zahlen zeigen: Wir sind schon lange 'überdrüber'“, sagen die Veranstalter.

Jeder einzelne kann die weltweite Situation beeinflussen

„Wenn wir den globalen Erdüberlastungstag jedes Jahr um 5 Tage nach hinten verschieben könnten, würden wir bis 2050 wieder weniger Ressourcen verschwenden als nachwachsen“, erklärt Franziska Blaas von der OEW in Brixen. Sie will aufzeigen, dass jeder einzelne die weltweite Situation mit dem eigenen Konsumverhalten beeinflussen kann.

Würde man es beispielsweise schaffen, die Nahrungsmittelabfälle weltweit zu halbieren, fände der globale Erdüberlastungstag 12 Tage später statt. Auch eine Halbierung des CO2-Ausstoßes verschiebe dieses Datum um 115 Tage.

Wie sich das Konsumverhalten auf Menschen des Globalen Südens auswirkt

Ein anderer Aspekt ist die Ressourcenverteilung. „Vor allem die Menschen in den Ländern des Globalen Südens, in denen die meisten Rohstoffe wie fossile Brennstoffe, Metalle, Holz, Lebensmittel, Futtermittel und Textilprodukte angebaut oder gefördert werden, gehören zu den direkten Verlierern des vermeintlichen Ressourcengewinns. Aktuell liegt der Pro-Kopf-Konsum an Rohstoffen in Ländern des Globalen Nordens, also auch bei uns, schätzungsweise 4-mal höher als in Ländern des Globalen Südens“, so die Veranstalter.

Die Menschen dort würden aber nicht nur weniger konsumieren, sondern seien auch am heftigsten von den Folgen des Überkonsums betroffen. So sei beispielsweise der Klimawandel eine direkte Folge der weltweiten Umweltbelastung – und führe derzeit vor allem in Ländern mit unzureichender Infrastruktur und in südlichen Klimazonen zu fatalen Extremwetter-Ereignissen; zu Überschwemmung ganzer Inselgruppen, zur Ausbreitung der Wüste und zu plötzlicher Wasserknappheit.

„Wir alle tragen eine Mitverantwortung“

„Kaum ein Produkt unseres Alltags kommt ohne Rohstoffe aus Ländern des Globalen Südens mehr aus. Gerade deshalb tragen wir eine Mitverantwortung für die weltweiten ökologischen und sozialen Folgen unseres Konsums„, so Monika Thaler von der OEW. Als Teil einer globalen Gesellschaft stünden alle in der Verantwortung etwas gegen den Überkonsum beizutragen, um die negativen Auswirkungen auf unsere Mitmenschen, unsere Umwelt und für die nachkommenden Generationen einzuschränken.

Die energieintensive, meist menschenrechtsverletzende und umweltbelastende Ressourcengewinnung führt aktuell zu einem enormen sozialen Ungleichgewicht.

Die Aktionstage mit den über 20 Sensibilisierungsaktionen setzen auch bei diesem Thema an. Mit von der Partie sind der Jugenddienst Bozen-Land, die Umweltschutzgruppe Vinschgau, die Umweltgruppe Jenesien, der Umweltring Pustertal, das Forstinspektorat Welsberg, die youngCaritas Südtirol - Alto Adige, die Kolpingjugend Südtirol, Regala Zukunft, Mava Seggo, die Shabba Crew, der Südtiroler Pfadfinderstamm Brixen, die Bildungsausschüsse Karneid, Tiers, Karneid Dorf, Gummer, Blumau, Kardaun, Steinegg, Olang und Moos sowie die Bibliothek Olang, die Mittelschule Egger-Lienz in Bozen, die Mittelschule Jenesien, und mehrere Grundschulen, die von der OEW mit Unterrichtsmaterial und Medienpaketen zum Thema beliefert werden.

stol