Mittwoch, 25. Juli 2018

„Flüchtlinge bekommen 8, nicht 35 Euro!“

Wie berichtet, will Italiens Regierung die Leistungen für Flüchtlinge deutlich einschränken. Berichtet worden ist auch, dass Asylwerber in Italien derzeit zwischen 30 und 35 Euro täglich, in bestimmten Fällen bis zu 45 Euro erhalten. Diese Information sei schlicht weg falsch, erklärt am Mittwoch Caritas-Direktor Paolo Valente im Gespräch mit STOL. Und räumt mit falschen Informationen endgültig auf.

Einem Asylwerber bleiben rund 2 Euro pro Tag. Und nicht 35.
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Einem Asylwerber bleiben rund 2 Euro pro Tag. Und nicht 35.

Die italienische Regierung plant, wie berichtet, eine Einschränkung der Leistungen für Flüchtlinge. Dabei wird mit Zahlen jongliert, die so nicht stimmen, betont Paolo Valente gegenüber STOL. Und räumt mit falschen Informationen endgültig auf.

Paolo Valente, Caritas-Direktor. - Foto: D

Das Geld bekommt die Organisation, nicht der Asylwerber

In Italien und auch in Südtirol ist es derzeit so, dass Organisationen, die sich um Asylwerber kümmern, wie etwa die Caritas, Voluntarius oder das Rote Kreuz, pro Asylwerber und pro Tag/Nacht 28 Euro erhalten. 28 Euro erhält also die Organisation und NICHT der Flüchtling. Die Gelder gibt der Staat, gehen an das Land und das Land gibt das Geld schließlich an die Organisationen weiter.

Wofür werden die 28 Euro verwendet?

Die Gelder, die die Organisationen pro Person und Tag bekommen, decken 95 Prozent der Ausgaben ab, 5 Prozent muss die Organisation selbst aufbringen. Um die Kosten komplett abdecken zu können, bräuchte es 29,5 Euro. Von den 28 Euro, die die Organisation konkret erhält, dienen 20 Euro zur Führung der Einrichtung, wie etwa die Kosten für Personal, Sprachkurse, Strom, wie Valente gegenüber STOL betont. Die 8 Euro, die pro Tag übrig sind, bekommt jeder Asylwerber ausgezahlt.

8 Euro pro Asylwerber pro Tag

Doch von den 8 Euro, die ein Flüchtling täglich erhält, muss er sich noch sein Essen einkaufen. Die Mahlzeiten für die Flüchtlinge sind in den Heimen nämlich nicht inbegriffen. Sie bekommen zwar die Küche gestellt, müssen sich das Einkaufen und Kochen aber selbst organisieren. Für Essen geben sie also etwa 5,5 Euro pro Tag aus. Das Geld, das Ihnen dann also im Endeffekt bleibt, sind 2,5 Euro. Und das schicken sie meist ihren Familien oder Angehörigen.

Man kann also sagen, dass das meiste Geld, dass wir als Organisation pro Flüchtling erhalten, wieder zurück in die heimische Wirtschaft fließt.  

Von 35 Euro zu sprechen, die ein Flüchtling pro Tag zur Verfügung hat, ist also schlichtweg falsch, so Valente abschließend.

stol/vs

stol