Donnerstag, 22. April 2021

Flüchtlings-Vorzeigecamp auf Lesbos wird geschlossen

Das oft als Vorzeigemodell bezeichnete Flüchtlingscamp Kara Tepe 1 auf der griechischen Insel Lesbos wird geschlossen. Nächste Woche sollen die Bewohner des unter lokaler Verwaltung stehenden Camps nach Angaben von Hilfsorganisationen und lokaler Medien übersiedelt werden - großteils in das viel kritisierte und schon jetzt überfüllte improvisierte Flüchtlingscamp Kara Tepe 2.

Für NGOs sind die Zustände in Kara Tepe 2 "menschenunwürdig".
Für NGOs sind die Zustände in Kara Tepe 2 "menschenunwürdig". - Foto: © APA/AFP / ARIS MESSINIS
Das Migrationsministerium in Athen bestätigte die Schließung von Kara Tepe 1 auf APA-Anfrage, ohne Gründe für die Schließung zu nennen. In Plati, nahe der Inselhauptstadt Mytilini, solle eine neue Struktur errichtet worden, man warte aber noch auf eine konkrete Finanzierungszusage durch die EU-Kommission, hieß es.

Dass die Bewohner des eigentlich gut funktionierenden Camps Kara Tepe 1 nun nach Kara Tepe 2 kommen sollen, in dem laut Beobachtern „menschenunwürdige“ Zustände herrschen, bezeichneten griechische Hilfsorganisationen, Solidaritätsbewegungen und andere ehrenamtliche Helfer als „inakzeptabel“. Mehrere auf der Insel tätige NGOs wollten sich allerdings nicht konkret zu den Regierungsplänen äußern.

Eine Vertreterin des hellenischen Roten Kreuzes sagte gegenüber der APA lediglich, dass Kara Tepe 1 „wunderbar“ und „viel besser“ als Kara Tepe 2 sei. Ihres Wissens nach solle ein Teil der Migranten aus dem „besseren“ Camp auch auf das Festland gebracht werden. „Wir wissen aber nichts Genaues, man sagt uns nichts.“

Das Camp Kara Tepe 2 (auch als Camp Mavrovouni bezeichnet) wurde als Ausweichlager nach dem verheerenden Brand in Moria im September des Vorjahres errichtet. Die Zustände dort sind laut NGOs jedoch noch prekärer als im Elendslager Moria.

Die Menschen, darunter viele Kinder und Schwangere, müssten in „Sommerzelten“ bei teils eiskalten Temperaturen auf dünnen Matratzen mit dünnen Decken auf dem Boden schlafen, schilderte eine für Ärzte ohne Grenzen (MSF) tätige Hebamme kürzlich im APA-Interview. Babys würden in Wäschekörbe gelegt und im Zelt aufgehängt, um sie vor Nässe, Kälte und Ratten zu schützen, erzählten andere Helfer.



apa