Rein rechtlich steht dem Umzug der 94 Familien aus Bozner Hotels in eine von 94 Südtiroler Gemeinden seit Freitag nichts mehr im Wege. Landesregierung und Rat der Gemeinden haben die Kriterien für die Aufnahme beschlossen. Demnach unterzeichnen die Familien einen Vertrag, der sie verpflichtet, aktiv an den Zielen des Projektes mitzuarbeiten. Diese lauten, sie so rasch wie möglich in Arbeit und eigenes Wohnen zu bringen. Die Familien verpflichten sich u. a., die Hausordnung ein- und die Wohnung instand zu halten sowie für etwaige Schäden aufzukommen. Zu zahlen ist ein monatlicher Beitrag zwischen 40 und 168 Euro pro Person plus Nebenspesen. Wer nicht fristgerecht zahlt, Auflagen wie Aus- und Weiterbildung, Sprachkurse nicht einhält oder „aggressive Verhaltensweisen gegenüber Dritten“ an den Tag legt, verliert den Anspruch aufs Projekt.<h3> Eine soziale Fachkraft auf sechs Familien</h3> Damit Integration gelingt, gibt es eine soziale Fachkraft auf sechs Familien. Sie leistet u. a. rechtliche Beratung, sorgt für Orientierung im sozialen Umfeld (Schule, Vereine) und kümmert sich um die Jobsuche.<BR /><BR />Jetzt tickt für die Gemeinden die Uhr. Laut Präsident Oberstaller sollen erst rund 40 eine Bleibe gefunden haben. „Ich habe diese Zahl nie genannt und möchte bis Ablauf der Frist am 1. Juni warten“, sagt Landesrätin Pamer. Die Gemeinden würden große Bemühungen an den Tag legen. „Alle 94 Familien bringen wir aber sicher nicht unter“, so Pamer. Für Schulende geplant, werde sich die Umsiedlung zudem bis Jahresende hinziehen. Manche Gemeinden hätten erst im Herbst Wohnungen bereit.<BR /><BR />Wer nichts findet, muss allerdings nicht mit Strafen rechnen wie bei den CAS- und SPAR-Projekten, wo säumige Gemeinden Abzüge bei der Finanzierung des Landes erhielten. „Es handelt sich um ein Gentleman-Agreement, dem die Bürgermeister und Bürgermeisterinnen zugestimmt haben. Es ist besser. Alle Familien haben Bleiberecht. Es ist besser, sie zu integrieren, statt wegzuschauen und später über Probleme zu klagen. In Tirol sollte ein Wort ein Wort sein“, so Landeshauptmann Kompatscher.