Flüchtlingsfamilien, die seit Jahren in Bozen unter oft schwierigen Umständen untergebracht sind, werden auf das gesamte Land verteilt: Darauf haben sich das Land und die Gemeinden im Herbst 2025 geeinigt. Jetzt wird es konkret – und das passt nicht allen. Denn mehrere Bürgermeister stellen den Deal plötzlich in Frage – und Bozen spricht Klartext.<BR /><BR /><BR />Viele Bürgermeister argumentieren, der Wohnungsmarkt sei „leergefegt“ und kritisieren: „Nur weil Bozen schreit, müssen jetzt alle springen.“ Das will Vizebürgermeister Konder nicht auf sich sitzen lassen. „Die im Herbst getroffene Vereinbarung zur Verteilung von Familien auf das gesamte Landesgebiet war kein spontaner Alleingang der Stadt Bozen, sondern ein gemeinsam gefasster Beschluss aller Bürgermeister – auf Vorschlag des Landeshauptmannes“, unterstreicht er. <BR /><BR />„Diese Vereinbarung wurde einvernehmlich gutgeheißen. Es handelt sich also nicht um eine Forderung Bozens, sondern um eine gemeinsam übernommene Verantwortung“, unterstreicht Konder. „Bozen kann und wird nicht länger die gesamte Last alleine tragen.“ <h3> Konder: „Das ist nicht akzeptabel“</h3><BR />Derzeit lebten die Familien in Bozen – teils getrennt – in Notunterkünften und Hotels. Unter solchen Bedingungen von Integration zu sprechen, sei realitätsfern. Integration gelinge nur dort, wo Strukturen funktionierten, wo Betreuung möglich sei und wo eine Gemeinde Verantwortung übernehme. <BR /><BR />„Bei einem Landeshaushalt von rund 9 Milliarden Euro sollte es möglich sein, eine solche Aufgabe solidarisch zu bewältigen. In Bozen verbleiben dennoch rund 100 Familien – also deutlich mehr, als es dem Bevölkerungsanteil entsprechen würde“, unterstreicht der Vizebürgermeister. Die Aussage des Margreider Bürgermeisters Andreas Bonell, „Bozen schreit und alle sollen springen“, sei in diesem Zusammenhang „schlicht inakzeptabel.“ <BR /><BR /><BR />Denn Bozen „schreie“ nicht – „Bozen erfüllt seit Jahren seine Pflicht. Vielleicht ist nicht allen bewusst, welche infrastrukturellen Lasten – Flughafen, Autobahn, Durchzugsverkehr, zentrale Einrichtungen – eine Landeshauptstadt trägt – nicht Margreid, da hat Bürgermeister Bonell wohl geographisch etwas verwechselt. Auch beim Ausländeranteil in den Schulen ist die Situation in Bozen landesweit besonders herausfordernd“, so Konder. <BR /><h3> „Tourismuszonen ja, aber dann...“</h3><BR />Wenn es in einzelnen Gemeinden Wohnungen ohne Heizung gebe, dann sei seit Herbst ausreichend Zeit gewesen, diese in einen bewohnbaren Zustand zu versetzen. „Es kann nicht unmöglich sein, zumindest eine geeignete Unterkunft pro Gemeinde zu finden“, betont der Vizebürgermeister. <BR /><BR />„Wer heute lautstark ablehnt, sollte sich auch fragen, ob man künftig neue Tourismuszonen ausweisen möchte. Denn damit gehen zusätzliche Arbeitskräfte einher – viele davon aus dem Ausland. Integration beginnt nicht erst dann, wenn es wirtschaftlich opportun ist.“ Was beschlossen wurde, sei umzusetzen – ohne Wenn und Aber. Solidarität dürfe keine Worthülse bleiben, die medial gut klinge, aber beim ersten konkreten Schritt in sich zusammenfalle. <BR /><BR /><BR />„Jede Gemeinde hat die Aufgabe, die zugewiesenen Familien zu betreuen und Integration aktiv mitzugestalten. Als Vizebürgermeister der Stadt Bozen erwarte ich mir die Einhaltung der gemeinsam gefassten Beschlüsse. Bozen wird nicht länger zuschauen“, erklärte Vizebürgermeister Konder.