Montag, 09. März 2020

Flüchtlingssituation auf Lesbos laut Caritas „vorhersehbar“

Dass sich die Flüchtlingssituation auf der griechischen Ostägäis-Insel Lesbos zugespitzt hat, ist für den Generalsekretär der Caritas Wien, Klaus Schwertner, nicht überraschend. In den vergangenen Jahren seien laufend Mittel gekürzt worden, auch die Spendenbereitschaft sei zurückgegangen. Die aktuellen Bedingungen im Flüchtlingscamp von Moria seien „erschreckend“, sagte Schwertner im APA-Gespräch.

"Erschreckende" Bedingungen im Flüchtlingscamp von Moria.
"Erschreckende" Bedingungen im Flüchtlingscamp von Moria. - Foto: © APA (Archiv/AFP) / LOUISA GOULIAMAKI
Es herrsche rascher Handlungsbedarf, Hilfe sei dringend notwendig. „Ich bin selbst Familienvater, und es ist wirklich erschreckend, unter welchen Bedingungen hier Tausende Kinder und Familien leben müssen. Im Dreck, unter Planen, alles ist voller Müll“, schildert der Caritas-Wien-Chef seine Eindrücke nach dem Besuch im größten Flüchtlingslager Europas. Schätzungen zufolge leben dort derzeit 23.000 Flüchtlinge und Migranten.

„Es ist wirklich zum Schämen, was hier passiert - auf europäischem Boden“, so Schwertner. „Und was mich zum Teil wirklich sprachlos gemacht hat, ist der Glaube, geflüchtete Menschen davon abhalten zu können, nach Europa zu kommen, wenn man sie hier auf den griechischen Inseln möglichst schlecht behandelt.“ Diese Strategie sei allerdings nicht erfolgreich gewesen, alleine seit Anfang des Monats habe es Hunderte Neuankünfte gegeben.

Hilfe vor Ort erwünscht

Das Gebot der Stunde und die „dringende Bitte an die österreichische Bundesregierung“ sei nun „ganz klar“ Hilfe vor Ort und ein humanitäres Aufnahmeprogramm sowie weitere Unterstützung für Griechenland, betonte Schwertner.

Die Caritas Hellas, Partnerorganisation von Caritas Österreich in Griechenland, ist derzeit mit einem Team von sechs Mitarbeitern im Camp Moria vertreten. Gemeinsam mit dem langjährigen Caritas-Katastrophenhelfer Thomas Preindl befindet sich Schwertner seit einigen Tagen an Ort und Stelle, um auszuloten, wo und welche weitere Akut-Hilfe benötigt wird.

Die Spenden- und Hilfsbereitschaft der österreichischen Bevölkerung sei „wirklich erfreulich“. Im Rahmen einer über Facebook lancierten Spendenaktion hätten binnen weniger Tage über 400.000 Euro gesammelt werden können. Um die „humanitäre Krise“, die sich in Moria abspiele, zu lindern, seien weitere finanzielle Mittel notwendig, betonte Schwertner. Mit einer Spende von 30 Euro etwa schnürt die Caritas ein Hilfspaket für geflüchtete Menschen, das unter anderem Lebensmittel und Hygieneartikel beinhaltet.



apa