<b>STOL: Frau Foppa, waren Sie überrascht, dass Sie zur Vorsitzenden des Corona-Untersuchungsausschusses gewählt wurden? Die Initiative kam ja von JWA, der ein bekannter Corona-Leugner und Impfgegner ist. Die Intention des Ausschusses war also eine andere…</b><BR />Brigitte Foppa: Eine Zweidrittelmehrheit gibt es im Landtag nicht oft, daher hat mich das Ergebnis in meiner Entscheidung schon bestärkt. Ich gebe zu, dass ich vorher stark gezweifelt habe, ob ich mir das wirklich antun will. Ich habe mich schließlich dazu durchgerungen – aber nicht ohne Bedingungen.<BR /><BR /><embed id="dtext86-72196608_quote" /><BR /><BR /><b>STOL: Und die Bedingungen wären?</b><BR />Foppa: Das Um und Auf muss sein, dass es am Ende ein Ergebnis gibt. Viele Untersuchungsausschüsse sind oft eine Farce: Sie werden eingesetzt, weil sie halt eingesetzt werden müssen, dann wird jemand mit der Mehrheit ins Amt gehievt – und danach passiert nichts. Diese Ausschüsse werden dann langsam ausgeblutet, ohne dass ein Ergebnis zustande kommt.<BR /><BR /><b>STOL: Sie sprechen den Hager-Benko-Untersuchungsausschuss an… Und Sie sind sicher, dass das bei diesem Ausschuss nicht der Fall sein wird?</b><BR />Foppa: Dafür werde ich sorgen. Dieses Thema ist zu wichtig, um es einfach in der Versenkung verschwinden zu lassen. Und ich brauche das Ehrenwort, dass die Mitglieder der Landesregierung und die Vertreter des Sanitätsbetriebs zu den Anhörungen kommen und aussagen. Dieses Ehrenwort habe ich bekommen. Daher bin ich zuversichtlich, dass bei diesem Ausschuss etwas herauskommen wird. Wobei ich sagen muss: Als ich mir nach der Wahl die Kommentare in den sozialen Medien angeschaut habe, bin ich wieder verzagt geworden und habe mir gedacht: „Na guate Nocht.“<BR /><BR /><b>STOL: So schlimm?</b><BR />Foppa: Ja. Es gibt immer noch diesen unbändigen Zorn bei diesem Thema. Viele Wunden sind noch offen, und die Gesellschaft ist zum Teil immer noch gespalten, wenn es um Corona geht.<BR /><BR /><embed id="dtext86-72196609_quote" /><BR /><BR /><b>STOL: Nicht nur in den sozialen Medien: Sowohl Jürgen Wirth Anderlan als auch Renate Holzeisen von Viva möchten, dass die Verantwortlichen der Corona-Politik zur Rechenschaft gezogen werden. Befürchten Sie, dass Sie im Untersuchungsausschuss von den genannten Landtagsmandataren in die Enge gedrängt werden könnten?</b><BR />Foppa: Diese Angst ist da, und das kann auch passieren. Ich habe aber einen Vorteil: Ich kann jederzeit sagen – so nicht! Und falls es keine Bereitschaft gibt, zusammenzuarbeiten, dann bin ich weg. Das Ziel dieses Untersuchungsausschusses ist die Aufarbeitung – nicht, dass er zu einem Tribunal wird. Corona war ein kollektives Trauma. Das braucht Aufarbeitung, nicht Vorwürfe und gegenseitiges Gehetze.<BR /><BR /><embed id="dtext86-72198890_quote" /><BR /><BR /><b>STOL: Was, wenn es aber keine Einsicht und Bereitschaft zur seriösen Zusammenarbeit geben wird?</b><BR />Foppa: Wenn es auf der einen Seite weiterhin Corona-Leugner gibt, die aggressiv bleiben wollen, und auf der anderen Seite jene, die sagen, wir haben keinen Fehler gemacht und rücken von keiner Meinung ab, dann sind wir gescheitert. Wenn die Fronten verhärtet bleiben, dann ist das nun mal so. Diese Sorge ist da – und sie ist realistisch. Leider.<BR /><BR /><b>STOL: Was ist Ihre größte Befürchtung?</b><BR />Foppa: Dass wir nicht imstande sind, das politische Showbusiness aufzugeben.<BR /><BR /><b>STOL: Dass Politik also nicht nur für die eigenen Fans gemacht wird, sondern für die Sache?</b><BR />Foppa: Genau. Wir müssen hier arbeiten, lernen, zuhören und auch versuchen, gegenseitig Verständnis aufzubringen. Shows, schnelle Sprüche und Urteile haben in diesem Ausschuss nichts zu suchen. Meine Befürchtung ist, dass der Ausschuss als politische Showbühne missbraucht wird.