Sonntag, 23. August 2015

Forum Alpbach und Flüchtlinge: "Südtirol kann Brücke sein"

Verantwortung übernehmen anstatt die Schotten dicht zu machen und Stacheldrahtzäune aufzustellen: Das allgegenwärtige Flüchtlings-Thema stand im Fokus der Redner beim traditionellen „Tiroltag“. Dieser bildete am Sonntag den offiziellen Startschuss für die 71. Auflage des Europäischen Forums Alpbach im gleichnamigen Tiroler Bergdorf.

Europaregion im Wandel: Anlässlich des Tiroltages besichtigen Günther Platter, Franz Fischler und Arno Kompatscher den Erweiterungsbau des Congress Centrums Alpbach. Die Fahnen repräsentieren die Teilneher des Forums aus 86 Nationen.
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Europaregion im Wandel: Anlässlich des Tiroltages besichtigen Günther Platter, Franz Fischler und Arno Kompatscher den Erweiterungsbau des Congress Centrums Alpbach. Die Fahnen repräsentieren die Teilneher des Forums aus 86 Nationen. - Foto: © APA/EPA

Bei Kaiserwetter wurde viel Tradition aufgeboten sowie für die „Europaregion“ Tirol geworben (hier geht es zur Bildergalerie). Als Thema des „Tiroltages“ hatten die Verantwortlichen aus dem Bundesland Tirol, Südtirol sowie dem Trentino auch „Integration statt Ausgrenzung“ gewählt.

 

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Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) und Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP) beim Tiroltag.- Foto: APA/epa

Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP) erklärte, es sei wichtig Vielfalt aufzuzeigen und auf andere zuzugehen. Die Europaregion und nicht zuletzt Südtirol könne dafür eine Brücke sein, schließlich hätten die Menschen in der autonomen Provinz zu Recht gegen Assimilierung und Nationalisierung gekämpft.

Erstmals ladinische Rede

Auch ladinisch wurde beim heurigen „Tiroltag“ übrigens das erste Mal offiziell gesprochen – und zwar in Person des Südtiroler Landesrates Florian Mussner (SVP) bei dessen Grußworten.

Unterscheidung zwischen Kriegs- und Wirtschaftsflüchtlingen

Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) mahnte in seiner Rede auf dem Alpbacher Kirchplatz einmal mehr nationale und europäische Solidarität mit den Asylwerbern ein. Alle europäischen Staaten müssten Verantwortung übernehmen anstatt die „Schotten dicht zu machen und Stacheldrahtzäune aufzustellen“.

Innerhalb Österreichs plädierte Platter für einen enge Abstimmung mit Ländern und Gemeinden. „Ich bezweifle, dass eine Verfassungsbestimmung notwendig ist, die einen Eingriff in den Föderalismus bedeutet“, kritisierte Tirols Landeschef erneut das Durchgriffsrecht des Bundes. Was es brauche, sei nationale und europäische Solidarität.

Flüchtlinge für gemeinnützige Arbeit heranziehen

„Es muss auch eine eindeutige Unterscheidung zwischen Kriegs- und Wirtschaftsflüchtlingen geben“, betonte Platter.

Der Landeshauptmann sprach sich auch dafür aus, die Flüchtlinge für gemeinnützige Arbeit heranzuziehen. Die Asylwerber würden länger bleiben, daher sei es im Sinne einer gelungenen Integration auch notwendig, dass diese die Sprache lernen. Der Landeschef plädierte überdies, mehr Geld für Entwicklungshilfe auszugeben. Die Bundesregierung habe zwar eine Aufstockung vorgenommen, diese bewege sich aber in „bescheidenem Rahmen“.

Herz- und Denkerzentrum der Europaregion

Die Erreichung von 0,7-Prozent des Bruttoinlandsproduktes bis 2030 werde nicht ausreichen, meinte Platter, der Alpbach als „Herz- und Denkerzentrum der Europaregion“ bezeichnete.

Der „Tiroltag“ hatte bereits um 5.00 Uhr morgens mit einer Wanderung zum Wiedersberger Horn begonnen. Um 9.00 Uhr wurde eine Messe in der Alpbacher Pfarrkirche gefeiert, zelebriert von Kardinal Christoph Schönborn. Nach der Messe durften natürlich auch die musikalische Darbietungen durch die örtliche Musikkapelle, eine ordentliche Salve durch die Schützen sowie die obligaten „Schnapserl“ nicht fehlen.

 

Infrastruktur und Umweltlandesrat der Autonomen Provinz Trient Mauro Gilmozzi, Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter (ÖVP), Forum-Alpbach, Präsident Franz Fischler, Kardinal Christoph Schönborn, Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP), Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP) beim Europäischen Forum Alpbach. - Foto. APA/epa

Die Tiroler Landeshymne „Zu Mantua in Banden“, die Europahymne sowie Österreichische Bundeshymne erklangen. Letztere spielte die Musikkapelle übrigens gut hörbar nur mit den „Söhnen“ und ohne die „Töchter“.

900 Redner - Generalthema „UnGleichheit

Die Organisatoren erwarten heuer rund 4.500 Teilnehmer, davon eine Rekordzahl von etwa 900 Rednern.

Das Europäische Forum dauert bis zum 4. September. Das Generalthema „UnGleichheit“ soll im Rahmen der Seminare, Arbeitskreise und Podiumsdiskussionen aus den unterschiedlichsten Perspektiven beleuchtet werden. Am Sonntag starteten bereits die Gesundheitsgespräche, die bis zum Dienstag andauern.

apa/stol/ker

stol