Immerhin gibt es einen Tag später im Kongress sowie im Königspalast Veranstaltung, um den 50. Jahrestag der Restauration der Monarchie zu feiern. Bei seiner Thronbesteigung zwei Tage nach Francos Tod teilte Juan Carlos I. dem Volk in seiner ersten Rede an die Nation mit, die Demokratie wiederherstellen und König aller Spanier werden zu wollen. Aber das war es auch schon.<BR /><BR />Noch kurioser: Bei den aufs Jahr verteilten Jubiläumsveranstaltungen wurde zwar der Ereignisse und Protagonisten gedacht, die den Weg Spaniens in die Demokratie ebneten. Vor allem aber stellte die sozialistische Zentralregierung von Premier Pedro Sánchez aber die Verbrechen und Ungerechtigkeiten der Franco-Diktatur in den Mittelpunkt. Das führte sogar dazu, dass die Konservativen von Oppositionsführer Alberto Núñez Feijóo die meisten Jubiläumsveranstaltungen boykottierten.<h3> Sánchez-Regierung wil Francisco-Franco-Stiftung auflösen</h3>Jüngst kündigte die Regierung an, die ersten juristischen Schritte zur Auflösung der faschistischen Francisco-Franco Stiftung eingeleitet zu haben. Vergangene Woche stellte man das Projekt vor, wie im „Tal der Gefallenen“ – ein Mausoleum, welches sich Franco errichteten ließ – der Verbrechen des Diktators gedacht werden soll. Hinterbliebenen von ehemaligen Mitgliedern der Internationalen Brigaden sollen die spanische Nationalangehörigkeit erhalten, falls sie das wünschen. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1239990_image" /></div> <BR /><BR />Während des Spanischen Bürgerkriegs zwischen 1936 bis 1939 kämpfen auch bis zu 1.400 Österreicher in den Internationalen Brigaden für die von Franco angegriffene Republik. Emilio Silva ist über solche Aktionen und Gesten eigentlich glücklich. Doch selbst der Vorsitzende der spanischen Franco-Opfervereinigung ARMH muss zugeben, dass die Sozialisten das Thema anscheinend ausschlachten, um von ihren eigenen Problemen wie zahlreichen Korruptionsskandalen und fehlenden Regierungsmehrheit abzulenken. „Sánchez weiß, dass die Debatten über Franco immer noch politisch wie gesellschaftlich polarisieren“, versichert Silva im Gespräch mit der APA.<h3> „Geschichte wurde nicht aufgearbeitet“</h3>Doch wie kann die Diktatur nach 50 Jahren immer noch Kontroversen provozieren? „Im Gegensatz zu Deutschland oder Italien kam es in Spanien nach dem Tod Francos weder zum Bruch mit der Diktatur noch wurde die Geschichte aufgearbeitet“, erklärt der spanische Politologe Sebastián Royo. Grund dafür sei vor allem der sogenannte „Pakt des Schweigens“.<BR /><BR />Um den friedlichen Übergang zur Demokratie zu garantieren, einigten sich die politischen Akteure in den Amnestiegesetzen von 1977 darauf, die Verbrechen und Repressionen während des von Franco angezettelten Bürgerkriegs und der anschließenden Diktatur weder juristisch zu verfolgen noch öffentlich zu thematisieren und zu verurteilen. „Die während der Diktatur entpolitisierte Gesellschaft hatte damit zunächst kein Problem. Zumal allen wichtiger war, dass die Demokratie nicht gleich wieder zusammenbricht“, so Royo in APA-Gespräch.<BR /><BR />Doch vor 20 Jahren fingen erste Diktatur-Opfer an, Wiedergutmachungen einzufordern. Kinder und Enkel suchen seitdem nach vermissten Angehörigen. Allein während des Bürgerkriegs ließ Franco über 100.000 politische Gegner in anonymen Massengräbern verschwinden. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1239993_image" /></div> <BR /><BR />2006 ging der sozialistische Regierungschef José Luis Rodríguez Zapatero mit seinem „Gesetz zur historischen Erinnerung“ auf die zunehmenden Forderungen ein, den „Pakt des Schweigens“ zu überprüfen.<BR /><BR />Sein Nachfolger, der aktuelle sozialistische Premier Pedro Sánchez, führt das Gesetz weiter fort – und nicht selten kurz vor Urnengängen. Ehrungen von Franco sind nun verboten, der Staat hilft bei der Suche nach vermissten Franco-Opfern. Vor sechs Jahren ließ Sánchez sogar die Überreste Francos aus dem Mausoleum im „Tal der Gefallen“ umbetten, welches sich der Diktator von politischen Häftlingen hat bauen lassen.<h3> „Vox verherrlicht Franco-Diktatur</h3> “<BR /><BR />Das wühlt die Gemüter der spanischen Rechten auf. Vor allem die neue rechtspopulistische Vox-Partei wettert dagegen und verherrlicht laut Silva „unverblümt und gesetzeswidrig“ die Franco-Diktatur. Die Erinnerung an Franco setzt vor allem die konservative Volkspartei unter Druck. Sie ging aus der vom Franco-Minister Manuel Fraga gegründeten Allianz Popular hervor und war bis vor kurzem der einzige politische Hafen für Spaniens Rechtskonservative.<BR /><BR />Bei Debatten über die dunklen Seiten der Franco-Vergangenheit müssen die Konservativen gerade mit Blick auf die erstarkenden Rechtspopulisten stets aufpassen, dass große Heer ihrer rechten Wähler nicht vor den Kopf zu stoßen. Vorher blockierten die Konservativen Franco-Debatten stets mit dem Argument, keine alten Wunden aufreißen zu wollen. Doch nun stellt man sich vehement gegen die von den Sozialisten betriebene Auflösungspolitik des Pakts des Schweigens.<h3> „Pakt des Schweigens hinterließ Spaltung der Gesellschaft“</h3>„Der Pakt des Schweigens hat kurzfristig die friedliche Demokratisierung Spaniens erleichtert, aber langfristig eine tiefe gesellschaftliche und politische Spaltung hinterlassen“, versichert José Manuel Sáenz Rotko, Historiker an der Comillas Universität in Madrid. Das zeigt auch die für den 21. November geplante Feier zur Wiederherstellung der Monarchie. <BR /><BR />Der einstige Protagonist Juan Carlos I. ist nicht einmal eingeladen. Das liegt natürlich auch an seinen zahlreichen Finanzskandale, wegen derer er seit fünf Jahren im selbstgewählten Exil in Abu Dhabi lebt. Doch auch seine Kommentare über Franco in seinen jüngst erschienen Memoiren. „Ich respektierte ihn enorm, schätzte seine Intelligenz und seinen politischen Sinn (...) Ich habe niemals zugelassen, dass ihn jemand vor mir kritisierte“, schrieb Juan Carlos.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1239996_image" /></div> <BR /><BR />Die Polemik war serviert. In einem Land, in dem Angehörige der Hunderttausenden Diktaturopfer immer noch nach den anonym verscharrten Überresten ihrer Lieben suchen, sei es „schmerzhaft“, so etwas zu lesen, sagte Regierungschef Pedro Sánchez. Der Schatten der Franco-Vergangenheit ist heuer anscheinend dunkler und länger als je zuvor.