Die rechtsextreme „Front National“ (FN) ist bemüht, das überraschend gute Ergebnis ihrer Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen (17,9 Prozent) nun in Parlamentssitze umzumünzen.Um Frankreichs Präsident Francois Hollande (PS) die absolute Mehrheit in der Nationalversammlung zu bescheren, müssen die Sozialisten mindestens 289 der 577 Mandate erobern. Laut Umfragen kann die Linke mit 44 bis 46 Prozent der Stimmen rechnen, die Rechte dagegen mit 33 bis 35 Prozent.Der Politikwissenschafter Dominique Reynié erachtet es dennoch als „sehr schwierig“ für die Sozialisten, die absolute Mehrheit zu erobern, zumal weder der Präsident noch dessen Premier Jean-Marc Ayrault (PS) sich in Umfragen jener hohen Beliebtheitswerte erfreuen, die Franzosen sonst ihren frisch gewählten Staatsoberhäuptern gewähren.Eine weitere Hürde auf dem Weg zur absoluten Mehrheit sind die Grünen von „Europe Ecologie Les Verts“ (EELV), denen die PS in einem Abkommen 63 Wahlkreise abgetreten hat. In rund zwanzig dieser Wahlkreise ist ein linker Sieg möglich.Durch weitere Abkommen ist die PS auch an zwei linke Kleinstparteien gebunden: die Radikalsozialisten (PRG) und die Linksrepublikaner des „Mouvement Republicain et Citoyen“ (MRC) von Ex-Innenminister Jean-Pierre Chévènement.Der ehemalige UMP-Premierminister Jean-Pierre Raffarin hält einen konservativen Sieg bei den Parlamentswahlen unterdessen für „durchaus möglich“.„Eine große Anzahl der Wähler von (Ex-Präsident) Nicolas Sarkozy wollen, dass die Rechte siegt“, sagte Raffarin am Wochenende im Radiosender „Europe 1“ und betonte, dass man sich auf die Möglichkeit einer Regierungsübernahme vorbereiten müsse.Schon Ende der Vorwoche hatte sich Raffarin bereit erklärt, an einer eventuellen Kohabitationsregierung mit den Sozialisten teilzunehmen. UMP-Generalsekretär Jean-Francois Copé erklärte es zur Priorität der Konservativen „so viele Abgeordnete wie möglich“ zu erhalten.Man müsse verhindern, dass die Linke die Dreifünftelmehrheit im Kongress (im Senat, wo sie bereits die Mehrheit halten sowie in der Nationalversammlung Anm.) erreichen und somit Reformen wie das Ausländerwahlrecht durchsetzen könne.Copés Stellungnahme warf erneut die Frage auf, wie sich die UMP angesichts der Konkurrenz der rechtsextremen FN verhalten wird.Die größte Schwierigkeit für die Rechte ist in der Tat die Möglichkeit, dass in zahlreichen Wahlkreisen im zweiten Durchgang drei Kandidaten gegeneinander antreten, ein Linker, ein Konservativer und ein FN-Vertreter.Nach bisheriger republikanischer Tradition tritt in diesem Fall der schwächere Kandidat der im Parlament vertretenen Partei zurück, um einen Sieg der extremen Rechten zu verhindern. Mehrere UMP-Kandidaten ließen diesmal jedoch bereits durchblicken, dass sie nun nicht mehr zu dieser eleganten Geste bereit seien.Um sich für die Stichwahl zu qualifizieren, sind 12,5 Prozent der Stimmen nötig. Da laut Umfragen 40 Prozent der Wahlberechtigten nicht zur Wahl gehen wollen, ist anzunehmen, dass sich die Zahl der Wahlkreise, in denen es drei Parteien in die Stichwahl am 17. Juni schaffen automatisch reduziert wird.apa/dpa