Sonntag, 24. April 2022

Frankreich: Macron regiert weiter im Élyséepalast

Mit klarer Mehrheit von 58 bis 58,2 Prozent nach den Hochrechnungen bestätigten die Franzosen den 44-jährigen Emmanuel Macron bei Stichwahl am Sonntag für eine zweite Amtszeit als Staatspräsident. Marine Le Pen ist ihm wieder unterlegen.

Emmanuel Macron und Marine Le Pen. - Foto: © APA/AFP / NICOLAS TUCAT

In den 2 Wochen vor seiner Wiederwahl zieht Emmanuel Macron öfter sein Jackett aus, tritt in eine Menschenmenge und lässt sich beschimpfen. „Ich habe Sie 2017 gewählt, aber ich bedauere es“, sagt eine Frau im Norden Frankreichs zu ihm. „Macron, tritt zurück!“, skandieren ihm in der Pariser Vorstadt Saint-Denis junge Leute entgegen. „Präsident der Reichen“, schallt es von anderen.

Vor der Stichwahl um den Präsidentenpalast geht der 44-Jährige in die Orte, wo Menschen sich nicht für ein Selfie nach vorne drängen, sondern um ihm ins Gesicht zu sagen, was schief läuft in Frankreich.

Der Weg heraus aus der Komfortzone des Élyséepalasts, runter von den Rednerpulten der Wahlkampfhallen, das macht sich am Ende bezahlt für Macron. Zuvor war der eloquente Macron im schicken Anzug oft als arrogant und abgehoben kritisiert worden. Dem Absolventen einer Elite-Uni und Investmentbanker, der 2017 einen Senkrechtstart in den Élyséepalast hinlegte, warfen viele fehlende Volksnähe vor.

Gezielt ging Macron nun zuletzt dort auf Tuchfühlung, wo die Menschen zuvor in Scharen den Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon oder seine Konkurrentin in der Stichwahl, die rechtsnationale Marine Le Pen, gewählt hatten. Dass diese ihm zwischenzeitlich überhaupt so nahe rücken konnte, hing damit zusammen, dass sie schon Monate vorher auf den Straßenwahlkampf in den Regionen gesetzt und sich als einfühlsame Zuhörerin für die Sorgen der Einkommensschwachen präsentiert hatte. Zu dem Zeitpunkt hatte Macron noch nicht einmal seine Kandidatur erklärt und war sich seiner Wiederwahl wohl zu sicher.

dpa

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