Bei einem Polizeieinsatz zur Auflösung einer Raffinerie-Blockade wurden nach Gewerkschaftsangaben drei Demonstranten verletzt. Für den Nachmittag wurde die Abstimmung im Senat erwartet. Wegen der Mehrheit des bürgerlichen Regierungsbündnisses von Sarkozy schien die Zustimmung als sicher. Die Vorlage gilt als das wichtigste Reformvorhaben von Präsident Nicolas Sarkozy.Das Innenministerium verteidigte in einer Erklärung die Auflösung der Raffinerie-Blockade in Grandpuits und die Zwangsverpflichtung von Mitarbeitern mit dem „nationalen Interesse“. Die Demonstranten hatten das Treibstofflager seit zehn Tagen rund um die Uhr blockiert. Bei der Räumung habe es keine besonderen Vorkommnisse gegeben, sagte der französische Innenminister Brice Hortefeux. Der Gewerkschaftsbund CGT sprach hingegen von drei verletzten Arbeitern. Rettungskräfte brachten Krankentragen zu dem Depot.Auch in Grand Quevilly in Westfrankreich durchbrach die Polizei am Freitagmorgen einen Streikposten vor einem Benzinlager. Die Blockade war Anfang der Woche zwar bereits geräumt worden, aber am Donnerstag hatten Arbeiter das Depot wieder besetzt.In Lyon ging die Polizei am Freitag mit Wasserwerfern in Stellung, während Reinigungskräfte die Spuren der Auseinandersetzungen vom Tag zuvor beseitigten. Am Donnerstag hatten Jugendliche Flaschen auf Polizisten geschleudert und Autos umgeworfen. Staatspräsident Sarkozy kündigte vor Beamten in Zentralfrankreich an, die Randalierer ausfindig zu machen und zu bestrafen. „Unruhestifter haben nicht das letzte Wort in einer Demokratie“, sagte Sarkozy. Gewerkschaften wollen Proteste fortsetzenDie Gewerkschaften dagegen hatten erklärt, sie wollten ihre Proteste auch nach der Annahme der Pensionsreform fortsetzen. Und riefen für kommenden Donnerstag und für den 6. November zu zwei weiteren Protesttagen auf. Zuletzt waren am Dienstag nach Gewerkschaftsangaben rund 3,5 Millionen Menschen auf die Straße gegangen, das Innenministerium sprach von 1,1 Millionen Demonstranten.Am Freitag gab es weiter Behinderungen im Schienen- und Flugverkehr, auch in Schulen und Universitäten kam es zu Beeinträchtigungen, allerdings in geringerem Ausmaß als in den vergangenen Tagen. In Marseille setzte die Regierung nach Informationen des „Figaro“ das Militär in Marsch, um die Müllberge zu räumen. Auch die Müllabfuhr streikt.Abstimmung am NachmittagFür den Nachmittag wurde die Abstimmung im Senat erwartet. Arbeitsminister Eric Worth kündigte am Morgen im Fernsehen das Votum für „die kommenden Stunden“ an. Wegen der Mehrheit des bürgerlichen Regierungsbündnisses von Sarkozy galt die Zustimmung zur Reform als sicher. Die abschließende Abstimmung in der Nationalversammlung und im Senat wird für Mittwoch kommender Woche erwartet.Nach massiver Benzinknappheit in den vergangenen Tagen entspannte sich die Lage insgesamt leicht. Die Tankstellen im nordfranzösischen Departement Seine-Maritime (Normandie) wurden jedoch angewiesen, die Benzinabgabe auf 30 Liter pro Pkw und 150 Liter pro Lkw zu beschränken. Wie in einem Nachbar-Departement ist die Abgabe von Treibstoff in Kanistern verboten.Energieminister Jean-Louis Borloo sprach in Paris dennoch von leichter Entspannung. „Vor einigen Tagen waren 40 Prozent aller Tankstellen ohne Treibstoff, danach waren es 30 Prozent und heute sind es zwischen 20 und 21 Prozent“, erklärte er Journalisten vor einer Krisensitzung. Probleme gebe es noch in der Normandie und der Region um Lyon.In Frankreich beginnen an diesem Wochenende die Herbstferien – die Regierung hofft, dass die Protestwelle dadurch abebbt. Die Bahn erwartete eine leichte Verbesserung im Zugverkehr, der in den vergangenen Tagen streikbedingt akut beeinträchtigt war. Die Gewerkschaften hatten angekündigt, ihre Proteste fortzusetzen. Kern der Reform ist die geplante Anhebung des Pensionsantrittsalters von 60 auf 62 Jahre. apa/dpa/afp/reuters/ap