Mittwoch, 23. September 2020

„Fratelli d’Italia? Das kann die SVP nicht tun“

Nach der Wahl ist vor der Wahl. So glücklich Obmann Philipp Achammer über das Ergebnis der SVP ist, so schwierig werden Verhandlungen in einigen Gemeinden, sagt er dem Tagblatt „Dolomiten“ am Mittwoch.

Philipp Achammer im „Dolomiten“-Interview. - Foto: © ANDREAS KEMENATER
„In Meran ist zu überlegen, ob die SVP überhaupt eine Wahlempfehlung zur Stichwahl abgibt“, so Achammer. In Bozen könnte es eine Neuauflage mit Caramaschi geben. „Eine Koalition mit Fratelli d'Italia wäre eine Verleugnung unserer Prinzipien.“

„Dolomiten“: Herr Achammer, 4 Bürgermeister verloren, 4 gewonnen. Warum sind Sie mit Stillstand zufrieden?

Achammer: Weil es nicht selbstverständlich ist, ein so hohes Niveau von 101 Bürgermeistern zu halten. Die Zeiten, in denen der SVP-Kandidat sowieso gewählt ist, sind vorbei.

„D“: Bei dieser Wahl gab es viele Paukenschläge. Welcher ist der Überraschendste?

Achammer: Dass Bürgermeister nach nur einer Amtszeit aus dem Amt gehoben wurden. Das ist extrem schwierig, aber mit viel Zusammenhalt gelingt es – wie in Innichen und Prad.

„D“: Am meisten leid tut mir, dass die SVP....

Achammer: Mit Auer, Sterzing und Waidbruck 3 zusätzliche Bürgermeister wegen insgesamt 8 Stimmen verpasst hat. Das ist frustrierend. Weil es viele ungültige Stimmen gab, ist es nur natürlich, dass sich Listenvertreter die Ergebnisse noch einmal anschauen. Wenn es dann so ist, ist es natürlich zu akzeptieren.

„D“: In Meran schaffte es Richard Stampfl nicht in die Stichwahl. Was wird die SVP tun?

Achammer: In Meran ist die Sache so was von falsch gelaufen und überraschend. Die SVP hat mit beiden Gruppierungen in der Stichwahl ihre Probleme, sodass man nachdenken muss, ob wir überhaupt eine Empfehlung für die zweite Runde abgeben.

„D“: In Bozen hat sich Renzo Caramaschi besser behauptet als erwartet. Die SVP hat einen Sitz verloren. War es falsch, als SVP eigenständig anzutreten?

Achammer: Nein, es war wichtig, als SVP ein eigenes Angebot zu präsentieren. Über Koalitionen berät die Stadt-SVP. Es ist kein Geheimnis, dass wir mit Caramaschi gut gearbeitet haben, doch war die Zusammenarbeit nicht friktionsfrei, weshalb man reden muss. Was Mitte-Rechts anlangt, so ist Zanin ein angenehmer Mensch. Er hat aber Kräfte wie Fratelli d’Italia in seinem Spektrum, mit denen eine Koalition für die SVP eine Verleugnung der eigenen Prinzipien wäre. Das wäre etwas, das die SVP nicht tun kann.

„D: In einigen Gemeinden wie z.B. Sand in T. hat der neue oppositionelle Bürgermeister keine Mehrheit im Gemeinderat.

Achammer: Diese Entscheidungen sind extrem schwierig. Man tritt gegeneinander an, holt als SVP über 60 Prozent, und sollte dann die entscheidenden Stimmen für eine Mehrheit liefern. Ich sage da jetzt nur: Nicht um jeden Preis.

Interview: Barbara Varesco

bv