<BR /> Dabei stellt sie klar, wie die Politik das Spiel der Kräfte im Interesse aller lenken sollte und weshalb sie die Zuschreibung von „Neinsagern“ als bloßes Scheinargument empfindet.<BR /><BR /><BR /><b>Frau Plaikner, sind 75 Jahre eine Bürde oder ein solides Fundament, auf dem sich Neues aufbauen lässt?</b><BR />Claudia Plaikner: Ich bin für die zweite Version mit dem soliden Fundament. Natürlich haben wir eine Geschichte, die nicht immer ruhmreich war und zu der wir auch stehen. Wir versuchen, unser Bestes zu geben, wobei wir uns auch mit Tradition, Volkskultur und Geschichte beschäftigen. <BR /><BR /><BR /><b>Die Bewahrung der Natur- und Kulturlandschaft ist die Kerntätigkeit des Heimatpflegeverbandes. Welche neuen Aufgaben haben sich eröffnet?</b><BR />Plaikner: Wir haben heute ein sehr breites Spektrum an Interessenfeldern und Tätigkeiten. Denken Sie nur an den Bereich Klimaschutz, dem sich heute niemand mehr verschließen kann. Wir monieren einen sorgsamen Umgang der Ressourcen, etwa der Ressource Wasser. Vor 50 Jahren war das noch kein Thema, dann folgte der riesige Run aufs Wasser mit den Speicherbecken, Aufstiegsanlagen und Tourismusbetrieben. Künftig geht es um eine ausgewogene Verteilung des Wassers, es kann nicht länger frei zur Verfügung stehen, etwa für das x-te Speicherbecken oder die x-te Saunalandschaft. <BR /><BR /><BR /><b>Empfinden Sie als Verbandsobfrau den Tourismus als natürlichen Gegenspieler?</b><BR />Plaikner: Nein, überhaupt nicht! Wir wissen um die Bedeutung des Tourismus in unserem Land und möchten ihn auch überhaupt nicht verteufeln. Allerdings fragen wir uns, welche Art von Tourismus wir haben wollen, weil er nun mal unheimlich ressourcenintensiv ist. Wenn man bedenkt, dass die durchschnittliche Aufenthaltsdauer von Touristen mittlerweile bei 4 Tagen liegt, dann bedeutet das viel mehr Verkehr und viel mehr Stress. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1070994_image" /></div> <BR /><BR /><BR /><b>Sie engagieren sich seit 1996 im Heimatpflegeverband, sind seit 8 Jahren dessen Obfrau. Was ist stärker geworden: der Gegenwind oder der Rückenwind?</b><BR />Plaikner: Ich bekomme sehr viele positive Rückmeldungen zu meinen Positionen in der öffentlichen Debatte. So gesehen hat der Zuspruch zugenommen. Gleichzeitig zeigt das auch, dass sich mehr Menschen Sorgen um unsere Heimat machen. Die Akzeptanz des Verbandes ist groß, wenngleich auch die Gegnerschaft stark ist. Sind handfeste wirtschaftliche Interessen im Spiel, dann wird es für uns immer schwierig. <BR /><BR /><BR /><b>Warum?</b><BR />Plaikner: Es ist nun mal so, dass der Tourismus und die Landwirtschaft sehr starke Lobbyvertretungen haben, im öffentlichen Diskurs sehr präsent sind und sich so besser durchsetzen können. Das ist auch legitim. Allerdings geht dabei unter, wie viele soziale Probleme mit dem Hochtourismus entstehen. Das ist noch immer eine Randdiskussion. Hier müssten die Politiker aktiv werden. Sie müssten sehen, was es heißt, wenn die Preise für das Wohnen in die Höhe schießen oder viele Angestellte mit ihrem Lohn kaum noch über die Runden kommen. <BR /><BR /><BR /><b>Lässt sich die Politik in dieser Hinsicht also zu sehr treiben?</b><BR />Plaikner: Ja. Wenn man die Sonntagsreden mit den täglichen politischen Entscheidungen vergleicht, so kann man eine starke Diskrepanz feststellen. Deshalb wünschen wir uns, dass die Politik ihre ureigene Aufgabe als ausgleichende Kraft der Interessen besser wahrnimmt. Konkret: Sie sollte alle Akteure – Umweltschützer, Heimatpfleger, Lobbys der Wirtschaftsverbände – mit den gleichen Voraussetzungen und demselben Vorwissen an einen Tisch bringen, damit alle in einen seriösen Diskurs treten können. Wir würden uns mehr Gehör erwarten, denn wir sind nicht Verhinderer, sondern wollen an einer guten Weiterentwicklung des Landes mitwirken. <BR /><BR /><BR /><b>Ist gerade das ein Problem – dass man den Stempel der „Neinsager“ kleben hat?</b><BR />Plaikner: Es ist natürlich lästig, wenn wir Heimatpfleger und Naturschützer beispielsweise sagen: Es ist genug, diese Aufstiegsanlage brauchen wir nicht! Allerdings geht es dabei um handfeste Privatinteressen, während wir für die Interessen der Allgemeinheit einstehen. Deshalb empfinde ich es als Scheinargument, wenn man uns pauschal als Neinsager abstempeln will.